Sanierung ohne Förder-Grenzen

6. November 2001, 20:48
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Das Unternehmen "Nofrontiere" hat nahezu ohne Zuschüsse ein Haus im 15. Bezirk herausgeputzt

Wien - Vor ein paar Jahren noch hätte hier kaum jemand paradiesische Zustände erwartet oder vorgefunden: Im tiefsten 15. Bezirk, in unmittelbarer Westbahnhof-Nähe. Jetzt führt Ali Szadeczky nicht ohne Stolz durch die Büroräume der New Media-Agentur Nofrontiere und nennt sie "unser kleines Paradies".

Sieben Jahre lang wurde nach und nach in der Zinckgasse 20-22 in und um einen Hinterhof umgebaut - wurden in Summe 23,6 Millionen Schilling (1,715 Mio. ) investiert. Eine fast ausschließlich private Sanierungsaktion: An öffentlichen Mitteln wurden nur 250.000 Schilling aus der "Zuschussaktion für Kleinbetriebe" in Anspruch genommen - "das ist das Geld für ein einziges Fenster", bilanziert Szadeczky vor dem transparenten Zubau im Hof.

Wobei die EU-geförderten Investitionen im Umfeld durchaus hilfreich für die Verwirklichung des aufwendigen Projektes waren. "Immer wieder war bei der Baupolizei die erste Reaktion: Na des geht amoi net", erinnert sich der Nofrontiere-Vorstandsvorsitzende. Dass dann die Umwidmung des grün-gewidmeten Innenhofes - in Wahrheit eine rattenumschwärmte Müllhalde - zur Bauklasse 1 doch noch möglich war, ist letztlich dem EU-Projekt "Gürtel Plus" zu verdanken. "Aber wie das dann wirklich funktioniert hat, weiß ich selbst nicht genau - das ist eines dieser Wiener Wunder." Und jetzt wächst rund um den gläsernen Neubau im Hof tatsächlich eine grüne Oase heran.

Es waren nicht die einzigen Schwierigkeiten die überwunden werden mussten - denn das "Nofrontiere-Haus" steht auf historischem Boden. Oder besser gesagt: Gewölben. Zur vorletzten Jahrhundertwende war in diesem Gebäude noch ein Kloster - während der Entrümpelungsarbeiten wurden im Keller noch gusseiserne Tiertränken gefunden. Darunter erstrecken sich immer noch mystisch anmutende Katakomben.

Unmengen Schutt

Auch im Kellergewölbe selbst mussten erst Unmengen an Schutt sowie 40 Kellerboxen ausgeräumt und der Boden um 60 Zentimeter abgesenkt werden. Jetzt ist hier der von blanken Ziegeln umrahmte Besprechungsraum, wo in konzentrierter, abgeschlossener Atmosphäre Workshops und Präsentationen durchgeführt werden können.

Ein Stockwerk darüber der Eingangsbereich, wo Mitarbeiter und Kunden auf altwiener Dachbodenziegeln eintreten. "Ich bin da eigentlich ein Sammler", erklärt Szadeczky. Die Gusseisen-Säulen im Zubau etwa, die hat er in einer niederösterreichischen Industriehalle gefunden. Den Kamin in seinem eigenen Büro auf einem Dachboden.

"Mein Konzept ist Offenheit", erklärt Szadeczky, von dem auch alle Grundentwürfe der Büroräume stammen. "Und ich brauche den Kontrast von High-Tech und warmen Materialien wie Sandstein und Ziegel. Wenn hier alles verblecht wäre, könnte ich nicht arbeiten."

Ideen hat der Nofrontiere-Gründer jedenfalls noch genug: "Draußen auf der Straßenseite will ich eine inflatable Fassade mit Monitoren machen", plant er. Dass er das alles mitten im 15. "Hieb" umsetzt, davon ist Ali Szadeczky mehr denn je überzeugt: "Ich hab hier alle U-Bahnen und eine fantastische Infrastruktur. Dieser Bezirk kommt. Das ist gar keine Frage. In zehn Jahren schaut hier alles anders aus."

Und anderen Newcomern "kann ich nur raten, sich ja nicht in einen Nobelbezirk zu setzen und dort monatlich abzulegen. Wenn uns die Indus-triebosse hier besuchen, finden die das noch witzig."(DerStandard,print-ausgabe,7.11.2001)

von Roman Freihsl
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