Popularität von Bush ist ungebrochen

6. November 2001, 19:39
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US-Bürger sind aufgrund des Bioterrors besorgter denn je

Der 11. September mit seinen Terroristenattacken auf New York und Washington machte den Amerikanern ein für alle Mal klar, dass sie gegen feindliche Angriffen auf ihr eigenes Festland, auf die riesige "Insel" zwischen dem Atlantik und dem Pazifik, keineswegs gefeit sind. Die Unsicherheit und Besorgnis der Bürger des Landes, das ihnen bis dahin wie eine unantastbare Festung erschienen war, steigerte sich nach dem Beginn der Bombardements in Afghanistan und insbesondere nachdem seit nahezu einem Monat beinahe täglich über neue Aktionen von Bioterror innerhalb des Landes berichtet werden.

Nach dem Motto "Jeder ist sich selbst der Nächste" unterstützt eine überwältigende Mehrheit (etwa 86 Prozent) zwar die militärischen Vergeltungsmaßnahmen - vielleicht auch deshalb, weil diese Tausende Kilometer entfernt von ihnen stattfinden - und befürworten auch mit etwa 80 Prozent den Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan. In erster Linie beschäftigen sie sich jedoch mit den drohenden Milzbrandattacken - ein ausnehmend hoher Prozentsatz (94 Prozent) beobachtet die Entwicklungen und Enthüllungen über Anthrax aufs Genaueste und 56 Prozent davon sogar "sehr genau". Aber die Besorgnis der Amerikaner hat derzeit noch wenig konkrete Folgen nach sich gezogen: Weniger als ein Drittel übt Vorsicht beim Öffnen seiner Post, weniger als einer von zehn Amerikanern hat bereits Vorräte für den Notfall eingelagert oder sich eine Waffe zum Selbstschutz besorgt, und weniger als fünf Prozent haben Gasmasken und Schutzkleidung gekauft oder einen Arzt wegen vorbeugender Mittel gegen Milzbrandinfektionen konsultiert.

"Ehrliche Fehler"

Die scheinbare Diskrepanz zwischen den Zweifeln daran, ob die Bush-Regierung einen gut ausgedachten Plan für die Bekämpfung von Bioterrorismus hat (hier teilen sich die Meinungen 46 zu 46) und das weiter andauernde Vertrauen in die gleiche Regierung, letztendlich auch diesen Drohungen begegnen zu können (drei von vier Amerikanern billigen die diesbezüglichen Maßnahmen der einschlägigen Regierungsstellen), erklärt sich vielleicht damit, dass die Amerikaner verstanden haben, dass auch die Regierungsexperten vor einem Rätsel stehen, das sie nach bestem Wissen und Gewissen zu lösen versuchen. Viele von ihnen führen das Versagen der Behörden, etwa 2000 gefährdete Postbeamte nicht rechtzeitig testen zu lassen, nicht auf Nachlässigkeit, sondern auf einen "ehrlichen Fehler" zurück.

Die Anzahl jener Amerikaner, die sich nach dem 11. September "weniger sicher" fühlen, bleibt einstweilen noch immer bei etwa elf Prozent. Drei viertel der Amerikaner fühlen sich nur wenig oder gar nicht beeinträchtigt.

Woran sich während der letzten Wochen jedoch nichts geändert hat, ist die Popularität des Präsidenten, der Ende September nicht nur die Rekordzahl von mehr als 90 Prozent erreichte, sondern dessen hohe Beliebtheit sich seitdem nur um wenige Prozentpunkte verringert hat - außer Bush konnte bisher nur Lyndon B. Johnson eine derart hohe Popularität durch ein ganzes Monat beibehalten. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 7.11.2001)

STANDARD- Korrespondentin Susi Schneider aus New York
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