"Medien waren immer schon Anlaufstellen für Interventionen"

7. November 2001, 13:09
1 Posting

Trotz Krise Distanz wahren - Vor "Gleichschaltung", Medienkonzentration in Print wird gewarnt

Eine anhaltende "Hausse" bescheinigt eine Enquete des Vereins zur Förderung der Qualität des Journalismus der Wirtschaftspublizistik. Beginnend mit der Gründung des STANDARD, meint Wolfgang Mayr, Chefredakteur der Nachrichtenagentur APA. Produzierte die 1988 noch 12.000 Wirtschaftsmeldungen pro Jahr, sind es heute 54.000. Kehrseite der Medaille: Auch der Einfluss der Wirtschaft auf die Redaktionen steige.

"Medien waren immer schon Anlaufstellen für Interventionen", sagt Elisabeth Ochsner, Geschäftsführerin der Mediaagentur Panmedia. Die eigene Zunft nimmt sie aus: "Wir missbrauchen die Medien nicht, wir benützen sie nur."

Die Regeln bestimme auch im Mediengeschäft der Stärkere, und das seien meist die großen Medien. "Stärke verhindern heißt Medienkonzentration verhindern", spielt die Mediaplanerin auf die Fusion der News-Gruppe mit profil/ trend an. Hier sieht sie Handlungsbedarf, "denn das ist erst der Anfang".

"Einfalt, nicht Vielfalt" der österreichischen Medienlandschaft kritisiert auch Presse-Chef Andreas Unterberger. Und zum Teil "über Mediengattungen hinweg gleichgeschaltete Berichterstattung".

Vor ebendieser warnt Michael Fleischhacker, Chef vom Dienst des STANDARD . Gerade in Krisenzeiten erfordere es besondere Disziplin, die Distanz zwischen Journalisten und Entscheidungsträgern zu erhalten. Denn da bestehe ein verstärkter Druck zum Schulterschluss.

Als Beispiel nennt er die Berichterstattung amerikanischer Medien seit den Terroranschlägen: "Da sieht man, wie rasch kritische Medien zu patriotischen Veranstaltern mutieren können." (jed/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2001)

Share if you care.