Biodiesel aus Niederösterreich

6. November 2001, 18:54
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Österreichs größte Raffinerie in Zistersdorf verarbeitet altes Speiseöl

St.Pölten - Nach einjähriger Errichtungszeit läuft bis Jahresende in Zistersdorf eine neue Biodiesel-Raffinerie im Probebetrieb, die größte in Österreich. Betreiber ist "Donauwind", ein erst vor vier Jahren gegründetes Unternehmen, das sich bisher mit Windenergie beschäftigte, in Hinkunft aber in allen Bereichen der erneuerbaren Energie tätig sein will.

Im Gegensatz zu den anderen fünf bis sechs kleineren und größeren Raffinerien in Österreich, die Rapsöl verarbeiten, hält sich "Donauwind" vorwiegend an Alt-Speiseöl, das dank neuer Technologie mit einem bisher für unmöglich gehaltenen Wirkungsgrad verestert wird: nur 2 Prozent des eigenen Produktes werden zur Energiegewinnung und zum Betrieb der eigenen Anlage verwendet.

Rohstofflieferanten

An Rohstofflieferanten besteht kein Mangel: Gewerbliche Altölsammler verlangen zwischen 2,50 Schilling (0,18 Euro) und 4,50 Schilling (0,33 Euro) für gebrauchtes Frittier- oder Speiseöl, und was mittels moderner Verarbeitung dabei herauskommt, ist Fettsäuremethylester wie vorgeschrieben und dem fossilen Dieseltreibstoff absolut ebenbürtig und zumischbar. Jetzt, wo ein Verbot der EU im Raum steht, Alt-Speiseöl zu Tierfutter zu verarbeiten, ist man nahezu der einzige Abnehmer am Markt. Der Wunsch geht aber an die Bundesländer, Sammelsysteme für Alt-Speiseöl zu forcieren, da man auf diese Weise die Produktion ausweiten könnte. Die Investition in Zistersdorf liegt bei 67 Millionen Schilling (4.869.079 Euro), im Vollastbetrieb hofft man auf einen Ausstoß von 40.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr. Rapsöl wird nur in Ausnahmefällen verwendet.

Know how

Die Finanzierung erfolgt durch ein Beteiligungsmodell, an dem auch der "kleine Mann" ab 1000 Schilling (72,67 Euro) mit dabei sein und auch mitsprechen kann. Größere Investitionen werden im schriftlichen Umlauf gemeinsam beschlossen. Das Know-how des Unternehmens, das Studien an die TU Wien und nach Seibersdorf vergeben hat, ist weltweit gefragt, die Ambitionen richten sich nach Geschäften aus dem Know-how-Transfer, aus dem Verkauf ganzer Anlagen und aus der Errichtung und Betrieb weiterer Raffinerien im In- und Ausland. Da das Zistersdorfer Werk, das übrigens mit sieben bis acht Arbeitern auskommt, die noch dazu auch, wenn nötig, nach der benachbarten Windkraftanlage sehen, im Grenzland steht, gab es Förderungen vom Land und von der EU. Der Vollbetrieb soll 2002 beginnen, die Zulieferung an die Mineralölhändler und andere gewerbliche Betriebe ebenso, und der Preis liegt pro Liter rund einen Schilling 1 (0,07 Euro) unter dem mineralischen Dieseltreibstoff. Jeder Pkw, der nach 1993 gebaut wurde, verdaut Biodiesel ohne Anstand auch pur, ohne Beimischung von herkömmlichem Treibstoff. (NLK/red)

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