Japanische Forscher wollen embryonale Stammzellen herstellen und verschenken

6. November 2001, 18:27
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Ethikausschuss hat Forschungsantrag bereits genehmigt

Kyoto/Hamburg - Ein japanisches Forscherteam möchte menschliche embryonale Stammzellen herstellen und kostenlos an Wissenschaftler abgeben. Nach einem Bericht der japanischen Zeitung "Asahi Shimbun" will das Team um Norio Nakatsuji von der Universität Kyoto für die Produktion der Stammzellen gefrorene menschliche Eizellen verwenden. Drei Einrichtungen in Japan könnten diese Eizellen bereitstellen, die für eine künstliche Befruchtung hergestellt wurden, nun aber nicht mehr benötigt werden. Vorausgesetzt, er bekomme die Genehmigung der Regierung, wolle Nakatsuji schon im nächsten Frühjahr mit dem Projekt beginnen.

Ein Ethikausschuss der Universität Kyoto hat nach Auskunft der "Financial Times Deutschland" (FTD) einen entsprechenden Forschungsantrag bereits genehmigt. "Ich empfinde es als meine Pflicht, menschliche Stammzellen zu erzeugen", sagte Nakatsuji der in Hamburg erscheinenden Zeitung. Gerade Universitäten sollten auf diesem Gebiet forschen, um nicht kommerziellen Interessenten das Feld zu überlassen. "Stammzellen sind eher öffentliches Eigentum." Der japanische Genetiker hofft, dass sich die künstlich erzeugten Zellen in Muskelzellen oder Nervenzellen verwandeln und zu Heilzwecken transplantieren lassen.

Stammzellen von Affen und Mäuseföten

In Japan dürfen Forscher laut FTD zwar menschliche Stammzellen aus befruchten Eizellen herstellen aber nicht verkaufen. Ebenso verboten sei es, am Klonen von Menschen zu forschen. Nakatsuji hat nach Informationen von "Asahi Shimbun" bereits Stammzellen von Affen und Mäuseföten geschaffen. Er hoffe, dass die Tierforschung erfolgreich bei der Entwicklung menschlicher Stammzellen eingebracht werden könne. Er glaube jedoch, dass es in frühestens fünf Jahren die erste Heilanwendung mit Stammzellen geben werde, und zwar für Parkinson-Kranke, sagte er der FTD.

In Deutschland dürfen menschliche befruchtete Eizellen nicht zur Herstellung von Stammzellen verwendet werden, abgetriebene Föten in bestimmten Fällen jedoch schon. Die Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle und Otmar Wiestler möchten menschliche embryonale Stammzellen für Forschungszwecke aus Israel importieren. Über einen entsprechenden Förderantrag will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am 7. Dezember entscheiden. Eine Verschiebung des Termins wird derzeit in Deutschland diskutiert. (APA)

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