David Trimble: Ein Mann im Wandel der Zeit

6. November 2001, 18:57
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"Aller guten Dinge sind drei", mag sich David Trimble gedacht haben, als ihn das nordirische Regionalparlament im dritten Anlauf wieder zum Ersten Minister der Regierung wählte. Ausgerechnet radikale Protestanten aus dem eigenen Lager hatten Trimble bis zuletzt Prügel zwischen die Beine werfen und seine Bestellung zum Regierungschef verhindern wollen.

Doch David Trimble, der eherne Unionist, hat im Laufe seiner politischen Karriere gelernt, wie man mit einigem Anstand tief geworfene Prügel überspringt.

Trimbles Freunde vergleichen ihn gerne mit Südafrikas Frederik de Klerk, der den rassistischen Apartheidstaat abwickelte, aber der Vergleich hinkt ein bisschen: Trimbles politischer Hauptwidersacher, der katholische Sinn-Féin-Chef Gerry Adams, ist alles andere als ein Nel- son Mandela. Dennoch hat der knochentrockene Jurist Trimble mehr für den Frieden getan als etliche Politiker vor ihm. Er wurde für sein Engagement 1998 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Kritiker halten Trimble hingegen für eine Art Neville Chamberlain, jenen britischen Außenminister, der mit nutzlosem Papier herumwedelte und der Hitlerei nichts entgegenstellte. Verrat an der unionistischen Sache wird Trimble erbittert vorgeworfen.

Tatsächlich hat der Politiker im Lauf der Zeit beachtliche Wandlungen durchgemacht. Der Beamtensohn - 1944 geboren in der Unionistenhochburg Bangor, einem Hafenstädtchen nordöstlich von Belfast - trat bereits mit 17 Jahren dem Oranierorden bei und marschierte bis zum Jahr 1995 - manchmal Seite an Seite mit dem extremistischen Rabauken Pfarrer Ian Paisley - provozierend durch Katholikenviertel. Er scheute sich auch nicht, der "Vanguard"-Bewegung beizutreten, einer Art Schutztruppe, die deutliche faschistische Merkmale aufwies.

Im selben Jahr kam Trimble, der nicht zuletzt wegen seiner markanten Hornbrille über das Flair eines Sparkassen-Filialchefs verfügt, mit einem Hardliner-Ticket auf den Posten des Parteivorsitzenden der Ulster Unionist Party. Damals wurde dies als schmerzhafter Rückschlag für den Friedensprozess gewertet.

Doch der bekannt jähzornige Trimble legte erstaunlichen Pragmatismus und Reformwillen an den Tag. Der Opernliebhaber, der kokett auch seinen Hang zu Elvis Presley eingesteht, sprach mit den katholischen Republikanern. Eine Art Vertrauensverhältnis entstand, und langsam entwickelte sich der Wille zum Frieden, der 1998 im Karfreitagsabkommen gipfelte, um dessen Umsetzung bis jetzt gerungen wird.

Trimble wurde im selben Jahr in den "Geheimen Rat" (Privy Council) von Königin Elisabeth aufgenommen - bisher die höchste britische Ehrung für den vierfachen Vater. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 7.11.2001)

Gerhard Plott
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