Mordprozess im Fall Schriefl gegen Herbert P. am 4. Dezember

6. November 2001, 14:40
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Angeklagter bestreitet trotz belastendem DNA-Gutachten Täterschaft

Wien - Mehr als 13 Jahre nach ihrem Tod wird demnächst das grausame Ende von Alexandra Schriefl doch noch gerichtlich aufgearbeitet: Am 4. Dezember muss sich Herbert P. wegen Mordes vor einem Schwurgericht im Straflandesgericht Wien verantworten. Staatsanwalt Ernst Kloyber legt dem mittlerweile 33-jährige Mann zur Last, am 26. Oktober 1988 die damals 20 Jahre alte Verkäuferin nach einem Disco-Besuch in Wien-Favoriten vergewaltigt und sie danach erdrosselt zu haben. Ihre an einen Baum gefesselte Leiche war am nächsten Tag gefunden worden.

"Kommissar Zufall"

Auf die Spur von Herbert P. führte "Kommissar Zufall": Der Mann war im Vorjahr nach einer Wirtshausrauferei festgenommen worden. Um ihn zu unaufgeklärten Einbruchsdiebstählen zu überprüfen, wurde dem Mann ein Mundhöhlenabstrich genommen. Das DNA-Gutachten erbrachte dann ein sensationelles Ergebnis: Die genetischen Spuren, die der Mörder an der Leiche hinterlassen hatte, stimmen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit der DNA-Struktur des Verdächtigen überein. Die Möglichkeit, dass eine zweite Person mit einem derartigen genetischen "Code" existiert, beziffert das Gutachten mit 1: 9.500 Milliarden.

Zwei Verhandlungstage

Richter Johannes Jilke hat vorerst zwei Verhandlungstage ausgeschrieben. Neben zahlreichen Zeugen - darunter Besucher jener Disco, in der Herbert P. laut Anklage das spätere Opfer bemerkt haben soll, und einige Freunde und Bekannte Alexandra Schriefls - sind auch drei Sachverständige geladen. Diese sollen am 11. Dezember ihre Expertisen abgeben. Gespannt darf man auf die Ausführungen des Psychiaters Reinhard Haller sein: Er wird eine Stellungnahme zur "Gefährlichkeit" des Angeklagten abgeben. Weil die Anklagebehörde diese für außerordentlich hoch hält, hat sie nicht nur seine Verurteilung, sondern zusätzlich die Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Maximal 15 Jahre Haft

Dem mehrfach vorbestraften 33-Jährigen drohen im Fall eines Schuldspruchs maximal 15 Jahre Haft. Grund dafür ist eine am 1. Juli 2001 in Kraft getretene Gesetzesänderung, die für Täter, die zum Zeitpunkt der Begehung eines Mordes das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, einen Strafrahmen von fünf bis 20 Jahren Haft vorsieht. Darüber hinaus müssen ihnen allfällige zwischenzeitlich ergangene Verurteilungen auf die Strafe angerechnet werden, selbst wenn es sich dabei um Bewährungsstrafen handelt. Im Fall von Herbert P. kommt man damit auf mehr als vier Jahre, die bei einem Schuldspruch vom Strafmaß abgezogen werden müssten.

Herbert P. hat bisher bestritten, die Frau umgebracht zu haben. Er hat allerdings im Lauf des Vorverfahrens mehrfach seine Verantwortung abgeändert, was offensichtlich auch seine Anwälte irritierte. Zwei prominente Strafverteidiger legten jedenfalls das Mandat zurück.

Nicht von der Anklage erfasst ist der Fall Christine Beranek, zu der Herbert P. auch eingehend überprüft wurde. Das zehnjährige Mädchen war am 3. Februar 1989 ebenfalls in Favoriten einem Sexualmord zum Opfer gefallen. Da es in dieser Causa aber keine verwertbaren DNA-Spuren gibt, sind weitere Erhebungen notwendig. (APA)

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