Frauenschwund an Universitäten alarmiert Politikerinnen

12. November 2001, 13:49
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ÖVP- und SPÖ-Frauen wollen dem unterschiedlich entgegen treten

Innsbruck - Mit der Einführung der Studiengebühren ist die Gesamtzahl der Studierenden an der Universität Innsbruck im Wintersemester (WS) 2001/2002 um 23 Prozent (6.715 Personen) zurückgegangen. Da heuer um 487 weniger Erstzugelassene (minus 12,8 Prozent) als in den Vorjahren registriert worden waren, habe sich gezeigt, "dass die Zahl der so genannten 'Scheininskribienten' weitaus geringer war" als zuvor angenommen, betonten die Verantwortlichen am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Im Vergleich zu den Vorjahren zeichnet sich bei der Verteilung Frauen/Männer ein neuer Trend ab. Zwar studieren immer noch mehr weibliche Studierende (51 Prozent oder 11.461 Frauen) an der Innsbrucker Hochschule als ihre männlichen Kollegen, trotzdem ist dieser Anteil rückläufig. Besonders deutlich zeige sich dies bei der Zahl der "Neuinnsbruckerinnen", die verglichen mit dem Jahr 2000 um rund 20 Prozent (Männer minus vier Prozent) zurückging.

Brinek alarmiert

ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek ist wegen der jüngsten Studienanfängerstatistik aus Innsbruck alarmiert. Brinek schlägt nun eine grundsätzliche Reform der Bezugsregelungen für Stipendien vor. "Wir müssen eine Entkoppelung vom Unterhaltsrecht erreichen, damit junge Frauen die Entscheidung über ein Studium autonom treffen können", betont Brinek.

SPÖ-Stadlbauer: "Es ist genau das eingetreten, wovor wir gewarnt haben"

"Das ist doch der reinste Hohn", ärgerte sich heute SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer in einer Reaktion auf die Aussage der ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek gegenüber dem "Standard". Brinek zeige sich wegen der dramatisch gesunkenen Zahl der Studienanfängerinnen in Innsbruck alarmiert. "Wurde die Wissenschaftssprecherin vor Einführung der mehr als bedenklichen Studiengebühren von ihrer Partei dazu schlicht und einfach nicht befragt?", so Stadlbauer, die in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Bildungsvolksbegehrens unterstrich: "Gerade für Frauen ist es wichtig, hinzugehen und zu unterschreiben."

Die SPÖ-Bundessekretärin deponierte, dass sie ganz und gar nicht erstaunt über die Entwicklung der Studentinnen-Zahlen sei: "Es ist genau das eingetreten, wovor wir gewarnt haben." Der Rückgang bei den weiblichen ErstinskribentInnen sei auch in Linz, Graz und Wien signifikant. "Das liegt einerseits daran, dass es sich Familien nicht mehr so einfach leisten können, zwei oder drei studierende Kinder zu unterstützen. Und andererseits daran, dass es für Studentinnen, die sich ihr Studium selbst finanzieren, aufgrund der Einkommensschere bei den StudentInnen-Jobs schwieriger ist, zu dem zusätzlich benötigten Geld zu kommen." Stadlbauer befürchtet daher einen Rückschlag für die Bildungsoffensive der 70-er Jahre, von der vor allem Frauen profitiert hätten.

"Bildung muss kostenfrei zur Verfügung gestellt und den spezifischen Bedürfnissen von Frauen gerecht werden", betonte Stadlbauer. Die Bundesfrauensekretärin forderte in diesem Zusammenhang die Abschaffung der Studiengebühren, das Bereitstellen von Kinderbetreuungseinrichtungen für Frauen, die sich aus- und weiterbilden lassens und einen Weiterbildungsbonus bestehend aus Bildungskonto und Bildungskredit vor allem für WiedereinsteigerInnen.

SPÖ-Wurm: "Reaktionäre Wende in der Bildungspolitik"

"Mit der Einführung der Studiengebühren hat es die blau-schwarze Regierung offensichtlich geschafft, dass viele Frauen nicht mehr studieren. Der dramatische Einbruch bei den Erstinskribentinnen an der Universität Innsbruck zeigt, dass die reaktionäre Wende in der Bildungspolitik dieser Regierung Wirkung zeigt", erklärte SPÖ-Abgeordnete Gisela Wurm am Donnerstag.

"Ich fordere daher alle ÖsterreicherInnen auf, möglichst zahlreich das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben.

Weitere Zahlen aus Innsbruck

Insgesamt wurden 3.331 HörerInnen erstmals zum Studium zugelassen. Hinzu kommen noch 229 Studierende, die bereits an einer anderen Österreichischen Uni ein Studium begonnen haben und schließlich in die Tiroler Landeshauptstadt wechselten. Die Gesamtzahl der neuen StudentInnen nahm um 14 Prozent oder 582 Personen ab. Die endgültigen Zahlen könnten aber erst Anfang Dezember festgelegt werden, da auch wieder eine "Nachinskriptionsfrist" bis Ende November eingeführt worden war. (APA/red)

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