Kuntzl: Gefahr für Chancen Junger

6. November 2001, 13:53
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SPÖ präsentiert 10-Punkte-Konzept für die Bildung - ÖH-Vorsitzende bei Fischer

Wien - Heftige Kritik an der Bildungspolitik der Bundesregierung übt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl. Die Einführung von Studiengebühren und Kürzungen im Bildungsbereich würden die Lebenschancen junger Menschen gefährden, so die Mandatarin bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Aus diesem Grunde unterstütze die SPÖ das heute, Dienstag angelaufene Bildungsvolksbegehren der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). Kuntzl hat das Papier gemeinsam mit SP-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer und der ÖH-Spitze heute unterschrieben.

Kuntzl verwies auf die durch die Studiengebühren bedingten Rückgänge bei den Studentenzahlen "um fast 50.000", auch bei den Neuanfängern gebe es an einzelnen Unis dramatische Einbrüche. Die SP-Bundesgeschäftsführerin zitierte eine Studie, wonach die Studenten nun noch mehr nebenbei arbeiten müssten, um sich das Studium leisten zu können. Und das wiederum werde die ohnehin hohe durchschnittliche Studiendauer in Österreich in die Höhe treiben.

Dramatische Situation

Die Mandatarin kritisierte auch Einsparungen in Schulbereich. So würde das Bildungsbudget 2002 um eineinhalb Milliarden Schilling (109,0 Mill. Euro) gekürzt, ein Abbau von 3.500 Lehrern sei geplant. In weiteren drei Jahren sollten abermals 3.700 Lehrerstellen eingespart werden. Besonders dramatisch sieht Kuntzl die Situation bei den berufsbildenden Schulen, etwa in den HTL gebe es bereits jetzt wesentlich mehr Anmeldungen von Schülern als Aufnahme-Kapazitäten.

Auch in puncto des diskutierten "Prognoseverfahrens" nach der Volksschule würden bei der SPÖ "die Alarmglocken schrillen". Es sei zu befürchten, dass damit der Zugang zu höherer Bildung erschwert werden solle. Trotz aller Bekenntnisse zu lebenslangem Lernen seien auch im Bereich der Erwachsenenbildung die Subventionen um 15 Prozent gekürzt worden, bemängelte Kuntzl weiter.

"Zehn Punkte für die Bildung"

Kuntzl präsentierte ein von der SPÖ verabschiedetes Programm "Zehn Punkte für die Bildung". Darin forderte die große Oppositionspartei "Vorschulische Förderung aller Kinder", "Zweisprachigen Unterricht ab der 1. Klasse Volksschule", "Reform der Mittel- und Oberstufe", "Mehr Plätze an Fachhochschulen", "mehr Ausbildungsmöglichkeiten für Lehrlinge", "Bildungsabschlüsse gratis nachholen", "Studiengebühren abschaffen", "Mitbestimmung an den Unis ausbauen", "Prämie und Bonus für Weiterbildung" und "Mehr Möglichkeiten für Bildungskarenz".

Die ÖH-Vorsitzende Anita Weinberger (Grüne) und ihre Stellvertreterin Andrea Mautz (VSStÖ) haben die Anliegen des Bildungsvolksbegehrens am Dienstag auch dem stellvertretenden SPÖ-Vorsitzenden Nationalratspräsident Heinz Fischer erläutert. Fischer sagte dabei laut SPÖ-Pressedienst, er unterstütze die Anliegen des Bildungsvolksbegehrens Vor allem sprach er sich gegen Studiengebühren aus, weil sie neue soziale Barrieren beim Zugang zu den Universitäten aufbauten und es für niedrige Einkommensbezieher und vor allem Berufstätige schwieriger machten, ein Studium aufzunehmen. (APA)

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