Wiener Börse: Neue Marktsegmentierung ab 2002

6. November 2001, 15:11
posten

Wertpapiermarkt wird EU-tauglich gemacht

Wien - Mit Jahresbeginn 2002 startet die Wiener Börse AG (WBAG) mit der neuen Marktsegmentierung und einem neuen Index-Konzept. Der Wertpapierhandel in Wien wird ab 2. Jänner in den fünf Marktsegmenten equity market.at, bond market.at, otob market.at, warrants.at und other listings.at erfolgen. Entsprechend zu den neuen Marktsegmenten und deren Bezeichnungen werde es "in Bälde" auch eigene Internetportale für jede einzelne Gruppe geben, kündigte der Leiter der Wiener Börse Markets and Products, Karl Brauneis, am Dienstag in Wien an. Die endgültige Zusammensetzung der einzelnen Marktsegmente will die Wiener Börse am 4. Dezember verlautbaren.

Eine der wesentlichen Änderungen in der Neusegmentierung ist der Ersatz des Sonstigen Wertpapierhandels durch einen regulierten Markt und der Wegfall des Segmentes "unregulated market". Neben börserechtlichen Gründen, die nun eine Anerkennung durch die Europäische Union (EU) ermögliche, hätten dafür auch Marketing-Überlegungen gesprochen. Viele der neuen Bestimmungen würden geplante EU-Regelungen vorweg nehmen, betonte Brauneis.

Neue Kundengruppen

Mit der Neugestaltung strebt die Wiener Börse auch eine Vereinfachung bei der Kommunikation mit dem interessierten Publikum und die Erschließung neuer Kundengruppen speziell im Bereich Renten und Warrants an. Im Aktienbereich (equity market.at) etwa will die Wiener Börse die Transparenz- und Publizitätskriterien stärker betonen. Im oberen Aktienmarkt-Segment, dem Prime Market, wird die Rechnungslegung nach IAS- oder US-GAAP-Richtlinien nach einer Übergangsfrist verpflichtend. Dies soll eine bessere Vergleichbarkeit mit der jeweiligen Peer-Gruppe ermöglichen.

ATX wird halbjährlich angepasst

Der Fließhandelsindex der Wiener Börse, der ATX, der schon bisher die 20 liquidesten und kapitalmäßig größten Aktien umfasst hat und zugleich den Basiswert für zahlreiche derivative Produkte bildet, wird in seiner derzeitigen Form auch nach der Einführung der neuen Marktsegmentierung per Jahresbeginn 2002 bestehen bleiben. Ab Herbst 2002 wird es jedoch zu einer halbjährlichen (bisher jährlichen) Anpassung kommen, kündigte der Bereichsleiter Markets and Products der Wiener Börse AG, Karl Brauneis, am Dienstag in Wien weiters an.

ATXPrime neu

Neu hinzu kommt der ATXPrime als Index, der die gesamten rund 36 im Prime Market gehandelten Werte umfassen wird und die bisherige breite Benchmark für institutionelle Investoren, den ATX50, ablöst. Auch der ATXMidCap wird per Jahresende eingestellt.Unverändert bleiben die beiden Themenindizes ViDX für Wachstums- und Technologiewerte (derzeit 14 Werte) und der IATX als Index der Immobilienbranche (derzeit 13 Werte) sowie der alle Werte umfassende WBI (derzeit 120 Werte). Der ViDX werde im nächsten Jahr noch "einer gewissen Änderung unterzogen" werden, kündigte Brauneis an. Der seit 1947 berechnete WBI dient laut Brauneis hauptsächlich für volkswirtschaftliche und wirtschaftshistorische Analysen.

"Prime Market"

Ab Jänner 2002 wird die Wiener Börse im Aktienbereich mit dem "Prime Market" ein neues Marktsegment für die 30 bis 40 liquidesten und größten inländischen Aktien geschaffen werden. Aktien ausländischer Unternehmen, wie beispielsweise jene der Bank Austria-Mutter HypoVereinsbank (HVB), der Deutsche Bank AG oder von Royal Dutch, die weder ihren Managementsitz noch Geschäftsschwerpunkt in Österreich haben, werden nicht in dieses oberste Segment aufgenommen werden. "Dabei handelt es sich um klassische Nebenlistings", sagte Brauneis. Entscheidungen über ausländische Titel sollen aber im Einzelfall getroffen werden.

Neben der ausreichenden Handelbarkeit (Fließhandelswert, ausreichender Streubesitz von über 25 Prozent oder über 25 Mill. Euro, mindestens aber 15 Mill. Euro) und der bisherigen Zulassung im Amtlichen Handel bzw. Geregelten Freiverkehr werden nur Stammaktien und somit keine Vorzugsaktien im Prime Market zugelassen. Eine Übergangsfrist wird es für Vorzugsaktien von Unternehmen geben, die versichern, diese im Jahr 2002 in Stammaktien umzuwandeln. Erfüllen sie diese Pflicht nicht - zur Umwandlung ist ein HV-Beschluss nötig -, werden sie per 2003 wieder herausgenommen. Das könnte die Vorzugsakten von Wiener Städtischen Versicherung, Agrana, Porr und bauMax betreffen, die schon jetzt fließend gehandelt werden.

"Lock Up"-Periode

Für Neulistings im Prime Market gilt ab Jänner 2002 ferner eine "Lock Up"- Periode von sechs Monaten, die tendenziell verlängert werden könnte. Weiters wird für den Emissionspreis eine nachvollziehbare Analyse, ein Mindestkriterienkatalog, verlangt. Damit soll eine "stille Börseeinführung" im Prime Market verhindert werden. "Wir werden fragen, warum die Aktie gerade 6 Euro wert ist", so Brauneis. Kein Problem in der Hinsicht werde es geben, wenn das Neulisting (IPO) von einer Investmentbank begleitet wird. Im Aktienbereich (equity market.at) wird es neben dem Prime Market den Standard Market geben, der Fließhandelswerte (Standard Market Continuos) und Auktionswerte (Standard Market Auction) umfassen wird. Im Prime Market werden etwa 36 Werte, im Standard Market Continuous rund 24 und im Auktionssegment etwa 60 Werte vertreten sein.

Share if you care.