Draken-Nachfolge: Disziplinarverfahren gegen Chef der Luftabteilung

6. November 2001, 13:00
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Hat sich in Interviews für "europäische Lösung" ausgesprochen

Wien - Die vom Verteidigungsministerium geplante Anschaffung neuer Abfangjäger als Nachfolger für die in die Jahre gekommenen Draken sorgt nun auch ressortintern für Turbulenzen. Gegen den Chef der Luftabteilung im Ministerium, Brigadier Josef Bernecker, ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden, bestätigt das Ministerium einen Bericht des "Wirtschaftsblatts" (Dienstag-Ausgabe). Bernecker hatte wiederholt seine Präferenz für eine "europäische Lösung" und damit indirekt für den schwedisch-britischen Gripen geäußert, zuletzt in der August-Ausgabe der deutschen "Flug Revue".

Im Rennen um die mit einer Dimension von 25 Milliarden Schilling (1,82 Mrd. Euro) größte Vergabe der Zweiten Republik gilt neben dem "Gripen" (Saab/BAE-Systems) die amerikanische F-16 des Lockheed Martin-Konzerns als Favorit. Zur Anbotslegung eingeladen wurden auch Boeing (USA) für die F/A-18, das Eurofighter-Konsortium sowie Dassault (Frankreich) für die Mirage 2000-5. Vermutlich dürften diese Angebote den Finanzrahmen aber sprengen, seitens der Franzosen soll auch nur geringes Interesse bestehen. Bei den US-Bewerbern sollen die Festlegungen Berneckers für Verärgerung gesorgt haben.

In der "Flug Revue" hatte Bernecker sich "unbedingt" für eine "europäische Lösung" ausgesprochen, "weil ich glaube, dass wir bald keine europäische Industrie mehr haben, wenn wir nicht mehr bei dieser europäischen Industrie einkaufen". Wenn die Firmen nicht mehr existieren könnten, würde auch jegliche technologische Kapazität verloren gehen, "Europa würde dann in eine einseitige militärtechnologische Abhängigkeit zu den USA geraten mit weit reichenden politischen Folgen".

Das Ministerbüro goutiert die Aussagen nicht

Zur Frage der de facto-Einschränkung des Rennens auf F-16 und "Gripen" sagte Bernecker: "Das würde ich zunächst noch nicht sagen, denn wir wissen noch nicht genau, was die Geräte kosten, wir wissen nicht genau, was die Firmen zusagen - diese Dinge sind ja bis zu einem gewissen Grad auch politisch beeinflusst."

Im Ministerbüro werden diese Aussagen nicht goutiert, berichtet das "Wirtschaftsblatt": "Würde er den Verteidigungsminister kritisieren, könnte man darüber hinwegsehen. Aber wenn es um eine derartige Beschaffung geht, muss das genau überprüft werden. Denn in der entscheidenden Kommission sitzen auch Leute der Luftabteilung, die ihm weisungsgebunden sind."

Der Betroffene selbst bleibt bei seinen Aussagen: "Wenn ich mit jahrzehntelanger Erfahrung nicht weiß, welche Maschine für Österreich die beste ist, bin ich fehl am Platz." Rechtliche Probleme sehe er nicht, da er bei der Endauswahl der Flugzeuge offiziell nicht eingebunden sei. Überhaupt sei er gelassen: "Das sind nur Störmanöver, das kenne ich bereits von der Draken-Beschaffung."

Bernecker ist während des Verfahrens weiter im Amt. (APA)

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