Experten fordern Gegenmaßnahmen gegen Wohnbau-Kollaps

6. November 2001, 14:20
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Wohnbauförderung sichern - Mindestens 42.000 neue geförderte Wohnungen im Jahr nötig

Wien - Um einen drohen Kollaps im heimischen Wohnbau abzuwenden, fordern Experten aus der Bau- und Wohnungswirtschaft, den Abbau von Wohnbauförderungsmitteln zu stoppen und - auch im Hinblick auf den zu erwartenden höheren Bedarf wegen der bevorstehenden EU-Erweiterung - wieder ein gefördertes Neubauvolumen von mindestens 42.000 bis 45.000 Wohnungen im Jahr sicherzustellen. Sollte die Neubauleistung auf ein tieferes Niveau sinken, würde sich die heute schon hohe Arbeitslosigkeit am Bau drastisch verschärfen, und es gebe in wenigen Jahren zu wenig neue Wohnungen, warnten Vertreter des "Baucluster" und der gemeinnützigen Wohnbauträger am Dienstag.

Schon heuer könnte die Zahl fertiggestellter Wohnungen in Österreich auf 52.000 sinken, nachdem bereits im Vorjahr ein Minus von 10 Prozent auf 53.760 zu verzeichnen gewesen war. Für 2002 seien sogar nur noch 40.000 bis 45.000 neue Einheiten zu erwarten, wenn nicht gegengesteuert werde, fürchtet der Fachverband Stein & Keramik. Vor allem die rasant sinkenden Neu-Bewilligungen signalisieren den Abwärtstrend im Wohnbau: Nachdem es schon im Vorjahr mit 41.460 bereits um 9 Prozent weniger Bewilligungen gegeben hat, dürften es heuer nach Fachverbandsschätzungen nur 39.000 und 2002 gar nur 33.000 bis 35.000 sein. Etwas optimistischer ist noch die Annahme des Wifo, das für 2002 von 38.000 und für 2003 von 36.000 bis 37.000 ausgeht.

Schlimme Phase für Wohnbau

Wifo-Wohnbauexpertin Margarete Czerny konstatiere für den Wohnbau die derzeit schlimmste Phase ihrer rund eineinhalb Jahrzehnte langen Tätigkeit, verwies der Obmann der Gemeinnützigen (GBV), Karl Wurm, in einem Pressegespräch auf Erkenntnisse beim jüngsten Bau-Workshop. Nun müsse daher vor allem die Wohnbauförderung außer Streit gestellt und zumindest auf einem Niveau von 24 Mrd. S im Jahr gehalten werden, so Wurm - auch über den Finanzausgleich bis 2004 hinaus, wie Baucluster-Sprecher Ex-Wienerberger-General Erhard Schaschl forderte. Heuer drohe die Wohnbauförderung bereits von zuletzt knapp 35,5 Mrd. S auf rund 31,55 Mrd. S (2,29 Mrd. Euro) zu sinken, so Schaschl.

"Wir brauchen jährlich 42.000 bis 45.000 geförderte Wohnungen", betonte Schaschl, denn "alles was weniger ist, schlägt sich direkt negativ im BIP nieder". Während die Bauproduktionswerte insgesamt im 1. Halbjahr um 0,1 Prozent gesunken seien, habe es im Wohnbau, der eigentlich der "Motor" der Bauwirtschaft sein sollte, ein Minus von 7,4 Prozent gegeben, am Bau ohne Wohnbau dagegen ein Plus von 5,0 Prozent. Mittlerweile sei jedoch auch der Nicht-Wohnbau ins Minus gerutscht. Dies legt auch der Quartalsvergleich nahe: Im ersten Vierteljahr wuchs die gesamte Bauproduktion noch kräftig um 9,2 Prozent, während sie im Folgequartal schon um 5,7 Prozent zurückging. (APA)

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