Bauindustrieller Haselsteiner führt Bietergruppe für Telekom Austria

7. November 2001, 16:07
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Drei Konsortien werden gute Chancen für Übernahme eingeräumt

Wien - Drei finanzkräftige Konsortien sollen gute Chancen für eine Übernahme der Telekom Austria (TA) haben, berichtet das Wochenmagazin "News". Eine Bietergruppe soll vom Bauindustriellen Hans Peter Haselsteiner (Bau Holding Strabag) angeführt werden. Mit im Boot seien die Raiffeisen-Gruppe, die New Yorker Investmentgesellschaft Kohlberg, Kravis, Roberts & Co (KKR) sowie die britischen Fondsmanager Doughty Hanson & Co.

Haselsteiner bestätigt in einem im Voraus verbreiteten Interview, dass er mit dem von ihm angeführten Konsortium die Mehrheit an der TA anstrebe, sobald sich der Mehrheitseigentümer ÖIAG (47,8 Prozent) mit dem Syndikatspartner Telecom Italia (29,8 Prozent) über einen Verkauf einig werde. Telecom Italia hält zusätzlich noch über die Mobilfunktochter TIM 25 Prozent an der Mobilkom Austria.

"Irisches Modell"

Die Haselsteiner-Gruppe möchte das "irische Modell" in Österreich wiederholen, bei dem ein internationales Finanzkonsortium im heurigen Sommer die Mehrheit an dem börsenotierten irischen Telekombetreiber Eircom erworben und diesen danach von der Börse genommen hat. "Ohne eine Mehrheitsbeteiligung hätte das Investment keinen Sinn", wird Haselsteiner in dem Interview zitiert.

Als weitere Bieter für Telekom Austria sei der US Investmentfonds Providence Equity Partners angetreten, der sich mit dem Beteiligungsfonds Apax und der börsenotierten österreichischen Finanzierungsgesellschaft UIAG zu einem Konsortium verbündet habe. Eine dritte Gruppe werde derzeit vom Chef der KPMG Alpentreuhand, Gottwald Kranebitter, angeführt, begleitet von der Investmentbank Credit Suisse First Boston.

Deutsche Telekom will Festnetzbereich

Interesse am Festnetzbereich der TA habe auch die Deutsche Telekom angemeldet, die in Österreich bereits als 100-Prozent-Eigner des Mobilfunkers max.mobil (über die Tochter T-mobile) vertreten ist. Bis der Deal mit TA über die Bühne geht, dürften jedoch noch einige Monate vergehen. Die ÖIAG hat bisher keine Position über eine Verkaufsbereitschaft ihres Anteils bezogen. Die Telecom Italia hat die Verkaufsbereitschaft für ihren Anteil bereits öffentlich kundgetan, kann jedoch in absehbarer Zeit nur verkaufen, wenn Syndikatspartner ÖIAG zustimmt.

Androsch zieht sich zurück

Der Industrielle Hannes Androsch hat sich als Berater für das US-österreichische Konsortium um Providence Equity Partners wieder zurückgezogen. "Wenn man die TA verkaufen will, reden wir nicht von der Portokassa", erklärte sich Androsch. Das sei derzeit die Hürde für den gesamten Telekommarkt. Viele Telekomanbieter seien durch ihre hohen finanziellen Engagements für die UMTS-Lizenzen derzeit blockiert, der Deutschen Telekom sei überhaupt ein Investitionsverbot auferlegt worden.

Laut "News" sei der Wert der TA zwischen 75 und 90 Mrd. S zu taxieren. Androsch sprach für das Gesamtpaket (22,4 Prozent befinden sich im Streubesitz und wären voraussichtlich mit mehr als 9 Euro je Aktie - dem Emissionskurs vom November 2000 - abzulösen) von 140 Mrd. S, die aufzubringen wären. Der Kurs der Telekom Austria ist Mittwoch nachmittag (15.05 Uhr) mit 8,30 um 3,4 Prozent unter dem Dienstag-Schluss gelegen.

Telecom Italia: Umstrukturierungsplan Anfang 2002

Bei der Aktionärsversammlung der Telecom Italia, die 29,8 Prozent an der österreichischen Telekom Austria und 25 Prozent an deren Tochter Mobilkom Austria hält, hat Präsident Marco Tronchetti Provera unterdessen am Mittwoch angekündigt, bis Anfang 2002 den Umstrukturierungsplan für das Unternehmen vorzulegen. Er bestätigte, dass der Plan Veräußerungen für insgesamt 5 Mrd. Euro (5,00 Mrd. Euro/68,8 Mrd. S) enthalten werde. "Es ist realistisch, dass wir unseren Veräußerungsplan in 24 Monaten verwirklichen können", betonte Tronchetti Provera. Vergangene Woche hatte der TI-Präsident bestätigt, dass auch die TI-Beteiligung an Telekom Austria auf der Verkaufsliste stehe. (APA)

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