Fusion zu deutscher Riesen-Hypo

6. November 2001, 16:53
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Auch in Österreich Grund zum Handeln

Frankfurt/Wien - In Deutschland entsteht ein neuer Finanzriese mit Schwergewicht auf gewerblichen Immobilienfinanzierungen. Die drei Hypothekentöchter von Commerzbank, Deutscher Bank und Dresdner Bank fusionieren zur größten deutschen Hypothekenbank, der Eurohypo. Das Institut käme gemessen an den Vorjahreszahlen auf eine kumulierte Bilanzsumme von 237 Mrd. Euro (3261 Mrd. S).

Der Zusammenschluss hat auch für Österreich Folgen: Die heimischen Emissionen werden aufgrund geringen Volumens für Investoren weniger interessant. Wegen der stärkeren Platzierungskraft und den günstigeren Refinanzierungsmöglichkeiten könnte den heimischen Banken vor allem bei Kommunalfinanzierungen mehr Konkurrenz erwachsen.

"Österreichische Emissionen werden in den Hintergrund treten"

Großinvestoren wie Fonds oder Pensionskassen, die immer auf der Suche nach Veranlagungsmöglichkeiten sind, werden bei der Eurohypo größere Geldmengen veranlagen können, denn ihr ist es möglich, pro Emission 700 Mio. Euro bis eine Mrd. Euro am Markt zu platzieren. Im Vergleich dazu schaffen es die heimischen Institute auf 100 bis 300 Mio. Euro im Einzelfall. "Österreichische Emissionen werden in den Hintergrund treten, wir werden uns daher überlegen müssen, wie wir künftig zu institutionellen Investoren kommen", sagte der Chef der S-Wohnbaubank, Josef Schmidinger. Manche sehen sogar die Notwendigkeit, sich an das neue deutsche Institut anzuhängen.

Bei der Wohnbaufinanzierung erwartet Schmidinger keine Konkurrenz aus Deutschland, weil die Spannen in Österreich mit Aufschlägen von 30 bis 40 Basispunkten zu gering sind. Sehr wohl aber sieht er eine verstärkte Konkurrenz bei den kommunalen Finanzierungen. So hat Niederösterreich heuer bereits ausständige Wohnbaufördergelder im Volumen von 65 Mrd. S an die Londoner Citibank abgetreten.

Keine Angst

Reinhard Platzer, Chef der Kommunalkredit, also jenes Instituts, das hauptsächlich in der Finanzierung der Kommunen tätig ist, fürchtet sich jedenfalls nicht vor der Fusion. Die deutschen Institute seien bereits jetzt bei großen Finanzierungen, wie jenen von Landeshauptstädten, präsent. Außerdem verweist Platzer auf die Ratingagentur Standard & Poor's, die drei Institute aktuell herabgestuft hat. Das Argument: Die großen Geschäftsbanken messen dem Hypotheken- und Pfandbriefgeschäft künftig offenbar weniger Bedeutung bei.

Stellenabbau

Im Zuge der ersten konzernübergreifenden Fusion im deutschen Großbankenbereich sollen bei den Spezialinstituten 800 der derzeit rund 2900 Stellen wegfallen, sagte der designierte Vorstandschef Karsten von Köller am Dienstag. Konkret werden die Rheinhyp, Eurohypo und Deutsche Hyp zur Eurohypo verschmolzen. Commerzbank und Deutsche Bank werden 35 Prozent an dem neuen Institut halten, die Dresdner Bank 30 Prozent. Alle Institute machten aber klar, ihren Anteil mittelfristig reduzieren zu wollen. Ab 2004 erwartet von Köller Synergien von netto 140 Mio. € jährlich. Alle drei Mutterbanken übernehmen für fünf Jahre Garantien für Kreditrisiken in den Altportfolien der Töchter.

Verstärkt nach Europa

Der scharfe Wettbewerb und schwache Margen hätten es immer schwerer gemacht, "die notwendige Rentabiliät im Inland zu erzielen", betonte Köller. Der Trend zur Konsolidierung in der Branche habe spürbar zugenommen. Die neue Eurohypo soll eine führende Position bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung in Deutschland und Europa einnehmen und vor allem "verstärkt nach Europa gehen", sagte Köller. Auch in Nordamerika werde die Eurohypo eine breite Palette von Dienstleistungen anbieten. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 7.11.2001)

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