Krenn wettert gegen "moralische Unordnung"

7. November 2001, 19:42
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Verwahrloste Jugend verweigere Mühen der Keuschheit - Sprecher der Reformgruppe: Das ist "unglückselige Engführung von Moral"

Wien - Wenn, dann seien die Katholische Männerbewegung und ihr umstrittenes Positionspapier zum Thema Kirche und Homosexualität nur ein Thema unter "ferner liefen" bei der Herbstsession der Bischofskonferenz, sagte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun am Mittwoch. Er erwartet keinen Streit, wolle daher nicht "vorauseilend Aussagen" machen.

Ganz anders dürfte St. Pöltens Bischof Kurt Krenn darüber denken. Geht es nach ihm, dann wird die Männerbewegung, die ihm mit ihrer Haltung zur Homosexualität ein Dorn im Auge ist, am Donnerstag zum Thema.

In seiner Predigt beim Gemeinschaftsgottesdienst Dienstagabend im Stephansdom lieferte er schon einen Vorgeschmack auf die von ihm geforderte Diskussion: "Der Aufstand gegen Gott ist zumeist auch ein Aufstand in Unzucht, Untreue und allgemeiner moralischer Unordnung", wetterte Krenn. Und: "Unsere Jugend entfernt sich oft von Gott, weil sie nicht akzeptieren will, dass Sexualität als gottgewollt die Ordnung der gültigen und unauflöslichen Ehe braucht." Über die Weltlage zeichnete er ein düsteres Bild: "Wir leben in einer Welt, die Rache und Vergeltung übt; wir leben in einer Welt der Unbarmherzigkeit."

Feichtlbauer: "Fixierung des Schulddenkens auf Sexualität"

Der Sprecher der Reformgruppe "Wir sind Kirche", Hubert Feichtlbauer, sagte über die Predigt im Gespräch mit dem STANDARD: "Krenn hat theoretisch Richtiges und Wichtiges gesagt, aber seine Eingrenzung von Sünde und Gewissensverwahrlosung auf die ,Mühen der Keuschheit' zeigt, dass er zu den leider noch immer zahlreichen, aber doch erkennbar weniger werdenden Kirchenvertretern gehört, die sich von der Fixierung des Schulddenkens auf Sexualität nicht befreien können." Das sei, so Feichtlbauer weiter, eine "unglückselige Einengung von Moral", die im Laufe von Jahrhunderten Millionen Menschen untragbare Lasten aufgebürdet und der Kirche viel an Glaubwürdigkeit gekostet hätte.

Am Donnerstag werden die Bischöfe auch mit Bundespräsident Thomas Klestil zusammentreffen. (APA, pm, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.11.2001)

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