Hirschjagd und Lobbyfischer

5. November 2001, 21:09
posten

WWF kritisiert Nationalpark Donauauen

Wien - Hirschschießen im Naturreservat, das geplante Besucherzentrum als "Monsterprojekt" und überhaupt "zu wenig Geld für den Artenschutz": Zum Fünf-Jahres-Jubiläum des Nationalparks Donauauen fährt Markus Schneidergruber vom World Wide Fund for Nature (WWF) mit harscher Kritik auf.

Versäumnisse gebe es vor allem aufseiten der Wiener Forstverwaltung, die den Nationalpark auf Großstadtgebiet managt, heißt es in einer - unaufgefordert erstellten - WWF-Evaluierung. In der Unteren Lobau werde immer noch zu viel gefischt: Der Arbeiterfischereiverband habe bei der Gemeinde, so Schneidergruber, "eine Lobby".

Der Hirsch wiederum dürfe einmal jährlich von einer Wiener Hegegemeinschaft geschossen werden. Und das Besucherzentrum im alten Hain- burger Wasserturm, der nach Plänen der Architektengruppe Coop Himmelb(l)au um 50 Millionen Schilling (3,6 Mio.EURO) renoviert werden soll: Es werde vor allem in der Erhaltung "sehr teuer kommen".

"100 Jahre alte Rechte"

"Das Zentrum wird nicht auf Nationalparkkosten, sondern mit EU-Gelder errichtet", reagiert Nationalparkdirektor Carl Manzano auf die Vorwürfe. Während der Wiener Forstdirektor Andreas Januskovecz den Umgang mit den Jägern und Fischern der Großstadt als "mühsam, aber erfolgversprechend" einschätzt. Hier gehe es "um teilweise 100 Jahre alte Rechte", da müsse man "längerfristig einen Konsens suchen". (bri, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 11. 2001)

Share if you care.