Enrique Bolanos: Nicaraguas neuer Präsident

5. November 2001, 20:12
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Wahlsieger hatte als Vizepräsident wenig zu melden

Managua - Der Kandidat der rechtsliberalen Regierungspartei, Enrique Bolanos, ist laut vorläufigem Endergebnis siegreich aus den Präsidentenwahlen in Nicaragua hervorgegangen. Im Wahlkampf hatte Bolanos (73) jedoch nicht nur gegen den Oppositionsführer Daniel Ortega von der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) anzukämpfen, sondern indirekt auch gegen seinen Parteifreund, den scheidenden Präsidenten Arnoldo Aleman. Dieser hatte in seiner Regierungszeit mit einer Serie von Korruptionsskandalen für Empörung in der Bevölkerung und Verärgerung unter den ausländischen Geldgebern gesorgt. Und Bolanos hatte Aleman vier Jahre lang als Vizepräsident gedient.

Skeptiker befürchten, dass der stets freundlich wirkende alte Herr, der als Vizepräsident wenig zu melden hatte, auch als Präsident im Schatten seines Vorgängers stehen wird. Während seiner Amtszeit hatte Bolanos einen Antikorruptions-Ausschuss geleitet, der niemals einen Fall untersuchte. Zumindest hatte Bolanos aber nach weit verbreiteter Auffassung als einer der wenigen Politiker in der Regierung Aleman eine relativ weiße Weste behalten.

Bolanos wurde 1928 in Masaya nahe Managua geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf. Nach einem Ingenieurstudium in den USA machte er als Agrarunternehmer Karriere und war zwischen 1983 und 1988 Präsident des Unternehmerverbandes. Während der Herrschaft der linksgerichteten Sandinisten in den 80er Jahren wurde er mehrfach verhaftet, ein Teil seines Besitzes wurde enteignet. Der Liberalen Verfassungspartei (PLC) Alemans trat Bolanos, der früher den traditionell mit den Liberalen konkurrierenden Konservativen nahe stand, erst während seiner Regierungszeit bei.

Im Oktober 2000 trat Bolanos von seinem Amt als Vizepräsident zurück, um für das Präsidentenamt zu kandidieren. Auch wenn er die Pensionsgrenzen überschritten hat, fühlt sich Nicaraguas künftiger Präsident, der sein Amt im Jänner antreten wird, nicht zu alt. "Ja, ich habe viele Jahre auf dem Buckel, aber es sind Jahre der Arbeit, der Erfahrung und des Anstands", pflegt er Kritikern zu entgegnen. (APA/dpa)

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