Türkei: Polizei geht gewaltsam gegen Hungerstreikende vor

6. November 2001, 16:30
2 Postings

Vier Hausbesetzer umgekommen

Istanbul - Schwer bewaffnete türkische Polizeikräfte haben am Montag den Hungerstreik von Linksextremisten in drei Häusern im Istanbuler Stadtteil Kücük Armutlu beendet. Dabei kamen mindestens vier Menschen ums Leben, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi berichtete. Sechs der Hungerstreikenden, die sich dem im Oktober vergangenen Jahres in mehreren Gefängnissen begonnenen "Todesfasten" angeschlossen hatten, wurden gewaltsam ins Krankenhaus gebracht.

Unklar war zunächst, auf welche Weise die vier Personen ums Leben kamen. Der private Nachrichtensender NTV berichtete, zwei Hungerstreikende hätten sich vor dem Zugriff der Polizei angezündet und seien ihren Verletzungen erlegen.

Mit gepanzerten Fahrzeugen hatten die Sicherheitskräfte Barrikaden beiseite geräumt und waren unter Einsatz von Tränengas in die Häuser eingedrungen. Auf Dächern standen Polizisten, Schüsse fielen. Das Tränengas hätten die Sicherheitskräfte eingesetzt, nachdem aus den Häusern Molotow-Cocktails geflogen seien, berichtete der Nachrichtensender NTV.

Der Hungerstreik, mit dem vor allem linksextremistische Häftlinge und Sympathisanten der Revolutionären Volksbefreiungspartei/Front (DHKP/C) gegen die neuen Hochsicherheitsgefängnisse in der Türkei protestieren, hatte in den vergangenen Monaten 41 Menschen das Leben gekostet.

Im vergangenen Dezember hatte die Armee 20 Haftanstalten gestürmt, um den Widerstand der Hungerstreikenden zu brechen. Dabei waren 30 Häftlinge und zwei Soldaten getötet worden. Einige der Hungerstreikenden sowie Angehörige hatten das "Todesfasten" daraufhin auch außerhalb der Gefängnisse fortgesetzt.(APA/dpa)

Share if you care.