Am Friedhof ist der Teufel los

6. November 2001, 21:49
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"Mein Ungeheuer" in Mödling

Wenn er alle seine Österreich-Termine mit persönlicher Präsenz beglücken würde, so hätte sich der irische Wohnsitz Felix Mitterers bisher wenig bezahlt gemacht. Allein im Raum Wien hat in diesem Theaterherbst nämlich bereits das dritte Stück des Tiroler Autors Premiere. Zudem hat er zwei Jahre für das Drehbuch zum ORF-Film über Andreas Hofer recherchiert (der Film mit Tobias Moretti und dem martialischen Titel "1809 - Die Freiheit des Adlers" wird am Nationalfeiertag 2002 ausgestrahlt).

Mitterer ist längst ein Joker im Getriebe. Nach dem Theater Gruppe 80, dem Theater Tribüne (als die Entdeckerbühne Mitterers) hat nun das Stadttheater Mödling innerhalb zweier Monate eines seiner Schauspiele am Plan.

"Mein Ungeheuer" sieht auf der Zwitterbühne (für Kino und Theater) aus wie das dunkelste Abbild jener Yoshi-Oida-Inszenierung von Fosses "Traum im Herbst", welche seit kurzem am Akademietheater der Novembertristesse zu gutbürgerlicher Melancholie verhilft. Julia Gschnitzer und Peter Mitterrutzner, übrigens auch im Andreas-Hofer-Film zu sehen, sind da ganz anders drauf:

Wenn er als Fürchtegott Ehemann Zach - zwecks Heimsuchung seiner zu seinen Lebzeiten ohnehin schon genug gequälten Frau Rosa - aus dem Totenreich auftaucht, dann wälzt er sich in einer lehmigen "Biest"-Maske über die blaugraue Blätterdecke der Friedhofserde. Ein grandioser Start, dem Regisseur Elmar Drexel Strindbergsche Totentänze folgen lässt. Allzu oft aber spitzen sich die im untoten Zustand des Täters rekapitulierten Ehekräche auf loses Deklamationstheater zu. Da nützen sich Gesten schnell ab, da wird die Melodik eintönig.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7. 11. 2001)

 Von
 Margarethe
 Affenzeller


Stadttheater Mödling, 2340 Mödling, Babenbergergasse 5, (02236) 42 999. Do-Sa
19.30
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