Heuer mehr als 30.000 Asylanträge

5. November 2001, 19:41
1 Posting

Fast die Hälfte aus Afghanistan - Höchststand seit Polenkrise 1981

Wien - Bis Ende Oktober haben mehr als 25.000 Menschen in Österreich um Asyl angesucht, bis Jahresende dürften es gut 30.000 sein. Damit würde der höchste Stand seit 1981 erreicht werden, damals hatten fast 35.000 Menschen Asylanträge gestellt (als Folge der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen). Der nunmehrige Anstieg an Asylwerbern ist vor allem auf afghanische Staatsbürger zurückzuführen. Von den 25.075 Anträgen stammen 11.465 von Afghanen.

Im gesamten Vorjahr gab es 18.275 Asylanträge, davon stammten lediglich 4205 aus Afghanistan. Damit wird sich die Zahl der Asylanträge aus Afghanistan heuer voraussichtlich mehr als verdreifachen. Von den 11.465 afghanischen Asylanträgen wurden 6211 in Österreich, die restlichen 5254 im Ausland, vorwiegend in den österreichischen Vertretungsbehörden in Teheran und in Kabul gestellt.

An zweiter Stelle nach Afghanen rangieren in der Flüchtlingsstatistik des Innenministeriums indische, irakische und jugoslawische Staatsbürger.

Wolf Szymanski, zuständiger Sektionschef im Innenministerium, schätzt, dass "wir bis Jahresende 7500 im Inland gestellte Anträge" von Afghanen haben werden. Über deren Ausgang wird im Moment nicht entschieden. Die Verfahren wurden zurückgestellt, um eine politische Beurteilung der Lage abzuwarten, wie es heißt.

Auffällig ist, dass die Zahl der Botschaftsanträge heuer extrem gestiegen ist. Im Vorjahr waren von den insgesamt 18.275 Asylanträgen nur 311 in ausländischen Botschaften gestellt worden. Heuer sind es bereits 5354 Botschaftsanträge von Afghanen. Diese wurden allerdings fast zur Gänze abgelehnt, da sowohl Iran als auch Pakistan aus österreichischer Sicht als sicheres Drittland für afghanische Staatsbürger gelten.

Innenminister Ernst Strasser hatte in einem Interview mit dem STANDARD allerdings angekündigt, die Möglichkeit der Botschaftsanträge abschaffen zu wollen. Auch bei anderen EU-Ländern sei dies nicht möglich. Asylanträge könnten künftig also nur noch direkt in Österreich bei der zuständigen Behörde gestellt werden.

Eine Flüchtlingswelle nach den US-Gegenschlägen auf Afghanistan als Reaktion auf die Attentate von islamischen Terroristen in New York und Washington gibt es laut Szymanski derzeit nicht. Die meisten afghanischen Flüchtlinge habe es im März mit 1864 und im April diese Jahres mit 1783 gegeben. Derzeit gebe es keinen Ansturm. Auch die Situation in der Botschaft in Islamabad "haben wir im Griff. Das tröpfelt" herein, so der Sektionschef zu den Botschaftsanträgen. (APA, völ/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. November 2001)

Share if you care.