Kapsch bekommt vier Töchter

5. November 2001, 19:27
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Familienkonzern schreibt heuer Verluste in dreistelliger Millionenhöhe

Wien - Von der Krise der Telekombranche "gerädert", wird die Kapsch AG, Österreichs letzter Telekomausrüster in Familienbesitz, nun gevierteilt. Wie Vorstandsvorsitzender Georg Kapsch am Montag in einer Pressekonferenz mitteilte, bleibt bis Mitte 2002 im Konzern kein Stein auf dem anderen: Das Unternehmen wird in vier eigenständige Aktiengesellschaften aufgeteilt und heuer einen Verlust in "dreistelliger Millionenhöhe" schreiben.

In die vor knapp einem Jahr erworbene Schrack BusinessCom - im Wesentlichen das Geschäft mit Nebenstellenanlagen und Unternehmensnetzen - wurde die Nebenstellensparte von Kapsch integriert; zum Jahreswechsel wird die mit knapp zwei Milliarden Schilling (rund 150 Mio. Euro) stärkste Kapsch-Tochter in Kapsch BusinessCom umbenannt. Laut Eigenangaben ist Kapsch in diesem Segment Marktführer in Österreich, künftig soll auch das Outsourcing klassischer Kommunikationslösungen angeboten werden.

Hoffnung Verkehr

Verkehrstelematik für Straße und Schiene wird Kapsch TrafficCom anbieten, in der vermutlich auch die Combitech, der hauseigene Komponentenhersteller für Mautsysteme, aufgehen wird. Die Vermittlungstechnik, also öffentliche und Carrier-Networks, werden in der Kapsch CarrierCom gebündelt; Produktion und Fertigung sollen in Kapsch Components zusammengefasst werden.

Die Kapsch AG selbst bleibt unter der Führung von Georg und Kari Kapsch sowie Finanzvorstand Franz Semmernegg als Holding erhalten, die sämtliche Steuerungsfunktionen wahrnimmt. Sie soll die neuen Töchter auch börsenfit machen - allen voran TrafficCom. Von ihr erwartet Kapsch auch das meiste Geschäft.

Mit der Restrukturierung des Unternehmens hat Kapsch bereits im Frühjahr begonnen, der Umbau verschlingt einen dreistelligen Millionenbetrag. Heuer schreibt der neue Finanzvorstand Franz Semmernegg rote Zahlen - nach einem Jahresüberschuss im Vorjahr von 45,4 Mio. S (3,3 Mio. Euro). Der Umsatz soll heuer von 4,5 Mrd. S auf 5,1 Mrd. S ansteigen. Kräftig geschrumpft wurde der Personalstand. Wie DER STANDARD berichtete, will Kapsch bis Jahresende von 3100 Mitarbeitern nur noch 2490 Mitarbeiter auf der Payroll haben. (ung, Der Standard, Printausgabe, 06.11.2001)

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