Deutsche Medienbranche bekommt Konjunktur zu spüren

5. November 2001, 16:58
posten

Rigider Sparkurs auf breiter Front

Die düstere konjunkturelle Lage schlägt jetzt die voll auf die Medienbranche durch. Reihenweise kündigen Verlage harte Sparprogramme bis hin zum massiven Abbau von Arbeitsplätzen an. "Kostenmanagement ist das große Thema", sagte am Montag Hans-Joachim Fuhrmann vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Den bisher drastischsten Schritt vermeldete am vergangenen Donnerstag Europas größtes Zeitungshaus ("Bild"), der Axel Springer Verlag (ASV/Berlin/Hamburg). Bis Ende 2003 soll dort jede zehnte Stelle wegfallen - insgesamt mehr als 1.400 Arbeitsplätze.

Einbruch auf dem Anzeigenmarkt

Hauptgrund ist der Einbruch auf dem Anzeigenmarkt, aus dem sich Zeitungen zu etwa zwei Dritteln finanzieren. "Wir haben ein sehr, sehr schlechtes Werbejahr", stellt Fuhrmann fest.

Die Tageszeitungen, die im Bereich Werbung im Vergleich 1999 zu 2000 noch um 8,1 Prozent auf rund 12,7 Mrd. DM (6,49 Mrd. Euro/89,4 Mrd. S) zulegen konnten, müssen nun für das Jahr 2001 einem Rückgang des Werbeumsatzes von 7,6 Prozent entgegensehen. Bei den Publikumszeitschriften beläuft sich das Minus auf 4 Prozent (Quelle: Studie der RTL-Gruppe).

Bei den Verlagen werden jetzt vor allem teure Investitionen - etwa im Online-Bereich - auf den Prüfstand gestellt. In das Internet haben die Medienhäuser in den vergangenen Jahren viele Millionen gesteckt. Geld wird damit bisher kaum verdient. Aktiengesellschaften wie der Axel Springer Verlag müssen sich zusätzlich gegenüber ihren Aktionären - bei Springer ist der "Medienmogul" Leo Kirch zu 40 Prozent beteiligt - rechtfertigen.

Kürzungen bei Gruner+Jahr nicht ausgeschlossen

Gruner+Jahr (G+J/Hamburg), der zum Bertelsmann-Konzern gehörende größte Zeitschriftenverlag Europas, schließt angesichts der miserablen konjunkturellen Lage Kürzungen im Personalbereich nicht aus.

Die schwierige Situation überschattete den Verbandstag des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), der am Montagnachmittag in Lübeck begann. Gerade eine konjunktursensible Branche wie die Medien dürfe nicht auf Zukunftsinvestitionen verzichten. "Das an sich Vernünftige ist, wenn sich Unternehmen antizyklisch verhalten", sagte der DJV-Vorsitzende Siegfried Weischenberg der dpa. (APA)

Share if you care.