US-Delegation im Abseits

6. November 2001, 11:12
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Selbst nicht aktiv, von den anderen Ländern ignoriert

Marrakesch - Anders als im Kampf gegen den Terrorismus bleiben die USA im globalen Kampf gegen die Erderwärmung allein auf weiter Flur. Mit seiner grundsätzlichen Abkehr vom Kyoto-Protokoll stellte sich Washington beim Klimaschutz selbst aus der Reihe. Beim Weltklimagipfel in Marrakesch wird daher - wie bereits beim Bonner Gipfel im Juli - zur Zeit ohne den weltgrößten Verursacher der klimaschädlichen Treibhausgase verbindliche Politik gemacht.

USA vorerst kein Thema

"Alle Seiten sind bemüht, das Kyoto-Protokoll endlich unter Dach und Fach zu bringen", sagt UNO-Sprecher Michael Williams. Später könne wieder darüber geredet werden, was mit den USA werde. Auch von anderen Ländern gab es keine ernsthaften Bekundungen, die USA doch wieder mit ins Boot zu holen.

Die US-Regierung ist - nach anfänglichem Zögern - am Konferenzort im islamischen Staat Marokko zwar mit einer Delegation vertreten. Doch sie hüllt sich in Schweigen und greift nicht in die Detailverhandlungen ein. Von ihrer Seite hieß, man berate andere Länder in Detailfragen und wolle sicher gehen, dass der geplante Rechtstext "nicht US-Interessen verletzt".

Von der US-Delegation gebe es "keinerlei Störfeuer", betonte der deutsche Verhandlungsführer Carsten Sach. Das kommt im Palais des Congres vor allem von Kanada, Australien, Japan und Russland, die bei früheren Klimaverhandlungsrunden in der so genannten Umbrella Group mit den USA alliiert waren.

Wo sind die "Alterntiven"?

Den von den USA angekündigten Alternativplan zum Kyoto-Protokoll gibt es nicht einmal im Ansatz. Seit den Terroranschlägen vom 11. September sei bei anderen Prioritäten auf der politischen Ebene in Washington schlicht keine Zeit für den Klimaschutz übrig gewesen, erläuterte Sach. Auf Grund der neuen Lage sei die gesamte US-Politik "deutlich multilateraler" geworden. Kyoto sei jedoch hierbei bisher kein Thema.

US-Präsident George W. Bush hatte das Kyoto-Protokoll mit der Begründung abgelehnt, es schade der amerikanischen Wirtschaft. Außerdem müssten auch die Entwicklungsländer, die für rund 40 Prozent der Treibhausgase verantwortlich sind, in Minderungsverpflichtungen einbezogen werden. Unter Präsident Bill Clinton hatten die USA noch führend an der Formulierung des Kyoto-Protokolls mitgearbeitet.

Zahlen zur Erinnerung

Das Kyoto-Protokoll von 1997 zur Verminderung von Treibhausgasen in Industrieländern kann auch ohne Teilnahme der USA in Kraft treten. Kritiker bezweifeln jedoch dessen Bedeutung für den globalen Klimaschutz, wenn die USA, die allein für mehr als ein Viertel des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) verantwortlich sind, überhaupt nicht in die Pflicht genommen werden. Ein US-Amerikaner produziert im Schnitt mehr als doppelt so viel CO2 wie ein Europäer. (APA/dpa)

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