Lesbischwule Paare haben dieselben Probleme wie heterosexuelle

5. November 2001, 16:13
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Studienautor erstaunt über Ergebnis

Braunschweig - Sex, kleine Macken der/s Partnerin/s, Haushalt, Eifersucht: Schwule und lesbische Pärchen haben fast die gleichen Probleme wie Heterosexuelle, wie eine Studie des Braunschweiger Instituts der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie ergab. "Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Probleme der Homosexuellen und der Heterosexuellen so stark ähneln", sagte Diplom-Psychologe Safet Seferovic, der Autor der Studie, am Montag in Braunschweig.
Nach eigenen Angaben hat Seferovic mit seiner Studie Neuland betreten. Bisher habe sich die Paarforschung höchstens in den Vereinigten Staaten mit Homosexuellen beschäftigt, sagte er. Dort sei man zu ähnlichen Ergebnissen gelangt: "Die Gemeinsamkeiten mit den Heterosexuellen sind größer als die Unterschiede." Zum Beispiel gelte bei Schwulen und Lesben wie bei Heterosexuellen: Je länger ein Pärchen zusammen sei, desto unzufriedener werde es häufig.

Wo die Probleme liegen

Am häufigsten klagten die gleichgeschlechtlichen Paare über ihre Sexualität. Ein Viertel der Lesben und ein Fünftel der Schwulen gaben an, damit Probleme zu haben. Die Ergebnisse der Braunschweiger Studie scheinen außerdem die These zu bestätigen, dass Frauen kommunikativer sind als Männer. Die lesbischen Paare gaben bei der Befragung an, mehr Zeit miteinander zu verbringen und häufiger miteinander zu sprechen als die schwulen. Bei Männer-Paaren kommt es der Studie zufolge auch eher vor, dass sich bei Konflikten einer der beiden zurückzieht, nach dem Motto "Ach lass mich damit doch in Ruhe!". Dagegen mache es keinen erkennbaren Unterschied, ob die Schwulen und Lesben in ihrer Partnerschaft eher männliche oder eher weibliche Rollen einnehmen.

Seferovic hatte für seine Untersuchung 53 schwule und 63 lesbische Pärchen befragt. Er räumte allerdings ein, dass seine Stichprobe nicht repräsentativ sei. Die meisten Paare habe er über Zeitungsanzeigen gefunden, sagte Seferovic. Gemeldet hätten sich fast nur Schwule und Lesben, die ihre Beziehung als "glücklich" oder "sehr glücklich" bezeichneten. Um glücklich zu bleiben, gibt Seferovic Schwulen und Lesben den gleichen Tipp wie Heterosexuellen: Sie müssten sich über schwierige Themen unterhalten können, ohne dass es Streit gebe.
(APA/AP)

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