WTO-Tagung wirft ihre Schatten voraus

6. November 2001, 11:16
posten

Malayischer Regierungschef Mohamad will Kinderarbeit und Menschenrechte ausklammern

Badar Seri Begawan - Die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) in dieser Woche sollten sich nach Ansicht des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamad nur auf die Frage des Handels konzentrieren. Wenn die reichen Länder weiter versuchten, auch Fragen wie Kinderarbeit und Menschenrechte "hineinzuschmuggeln", werde es keine neuen Verhandlungen über den freien Welthandel geben, warnte Mahathir, der ein Kritiker der Globalisierung ist.

Alle diese ideologischen Fragen zielten nur auf die Entwicklungsländer und belasteten den Handel zwischen den Staaten, fügte er hinzu. Die WTO-Konferenz ab Freitag im Golfemirat Katar könne nur ein Erfolg werden, wenn sie sich in der Tagesordnung ganz auf den Handel konzentriere.

ATTAC ruft zu weltweiten Anti-WTO-Kundgebungen auf

Die französische Anti-Globalisierungsorganisation ATTAC hat für den kommenden 10. November "überall in der Welt" zu Protestkundgebungen gegen die vierte Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) aufgerufen, die vom 9. bis zum 13. November in Doha (Katar) stattfindet. Vor Ort sei keine Kundgebung geplant, da sich Doha dafür nicht eigne, erklärte ATTAC-Präsident Bernard Cassen. Die Vereinigung werde sich allerdings als "Beobachter" zu der WTO-Konferenz begeben.

Laut ATTAC (Association pour la taxation des transactions financieres), die dieses Wochenende im zentralfranzösischen Tours ihre Jahresversammlung abgehalten hat, wurden in Frankreich bereits "mehrere Dutzend Protestveranstaltungen" gemeldet. Nach Angaben Cassens werden an den Kundgebungen, zu denen auch die Grünen, die Kommunisten (PCF), die Trotzkisten der LCR (Ligue Communiste Revolutionnaire) und die "Bürgerbewegung" MDC des ehemaligen Innenminister Jean-Pierre Chevenement aufgerufen haben, landesweit zwischen 50.000 und 70.000 Personen teilnehmen.

ATTAC, die insbesondere die Einführung einer Devisensteuer zur Verhinderung von Finanzspekulationen (Tobin-Steuer), sowie das Verbot der Steuerparadiese fordert, zählt in Frankreich gegenwärtig 25.000 Mitglieder und verzeichnet nach eigenen Angaben etwa 1.000 neue Einschreibungen im Monat. "Wenn die französische öffentliche Meinung der Globalisierung sehr kritisch gegenüber steht, so ist dies sicherlich auch auf uns zurück zu führen", betonte Cassen das politische Gewicht seiner Vereinigung.

ATTAC war im Juni 1998 von einer Reihe von Wirtschaftsexperten, Gewerkschaftern, Umweltschützern und Publizisten gegründet worden. Der Gründungspräsident Bernard Cassen, ist Generaldirektor von Le Monde diplomatique.(APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine Demonstration gegen die WTO in Indien

Share if you care.