"Reifeprüfung"? - Mike Nichols ist 70

6. November 2001, 11:28
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Der Oscar- Preisträger startete 1963 seine Regie- Karriere am Broadway

Frankfurt/Main - Unter anderen historischen Umständen wäre Michael Igor Pechowsky ein herausragender russischer oder deutscher Regisseur geworden. Aber der in Berlin am 6. November vor 70 Jahren geborene Sohn eines russischen Arztes jüdischer Abkunft folgte 1939 seinem in die USA emigrierten Vater und wurde unter dem Namen Mike Nichols einer der erfolgreichsten Theater- und Filmregisseure Amerikas. Seinen größten Kinotriumph feierte Nichols gleich mit seiner ersten Filminszenierung: "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" im Jahr 1967.

Mit "Reifeprüfung" startete auch Dustin Hoffmans Karriere

Das quälende Ehedrama nach dem Bühnenstück von Edward Albee, mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen, wurden mit fünf Oscars belohnt. Darunter befand sich die Auszeichnung für die Regieleistung von Nichols, der es übrigens bisher auf vier Ehen bringt. Im gleichen Jahr noch gelang ihm mit dem Kultfilm "Die Reifeprüfung" ein Kassenhit. Es war auch die Geburtsstunde der großen Karriere von Dustin Hoffman.

Nichols, der Theatermacher

Nichols, der nach der Emigration in Philadelphia aufwuchs, kam als Psychologie-Student in Chicago mit dem Theater in Berührung. 1953 begann er eine Schauspielerausbildung in der berühmten Schule von Lee Strasberg in Manhattan. In den folgenden Jahren erkannte Nichols jedoch, sich mehr zum Regisseur als zum Darsteller zu eignen. 1963 inszenierte er am Broadway eine Erfolgskomödie mit Robert Redford, von da an ging es nur noch bergauf. Trotz seiner Kinoarbeit, die bis in die Gegenwart reicht, ist der Regisseur der Arbeit auf der Bühne stets treu geblieben. Zeitweise galt er als höchstdotierter Theatermacher der USA.

Tops und Flops

Auf der Leinwand konnte Nichols den überragenden Erfolg seiner beiden frühen Filme nicht mehr wiederholen, obwohl respektable Titel wie "Silkwood" (1983), "Die Waffen der Frauen" (1986) und "Mit aller Macht" (1998) dazu zählten. In letzterem Streifen wird auf satirisch-kritische Weise die Karriere eines Präsidentschaftskandidaten beleuchtet, der viel Ähnlichkeit mit dem Ex-Präsidenten Bill Clinton aufweist. Ein Flop war hingegen der Nichols-Film "Good Vibrations - Sex vom andern Stern". Aber der Regisseur hat sich in seiner langen Karriere schon mehrmals von Niederlagen erholt. (APA/AP)

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