Linzer Callcenter CLC übernimmt Mehrheit an deutscher Camelot

5. November 2001, 16:26
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58 Prozent durch Aktientausch erworben - CLC-Chef Carner zieht in Camelot-Vorstand ein

Wien - Der börsenotierte Linzer Callcenter-Betreiber und Anbieter von Kundenmanagement-Lösungen CLC, bekannt durch die private Telefonauskunft "11 88 99", wird Haupteigentümer beim deutschen Konkurrenten Camelot tele.communication.online.AG (München). Wie CLC-Chef Cevdet Carner am Montag vor Journalisten in Wien mitteilte, ist sein Unternehmen mit 58 Prozent bei den Deutschen eingestiegen.

Mit einem konsolidierten Gesamtumsatz von heuer voraussichtlich 34 Mill. Euro (468 Mill. S) wird die CLC-Gruppe damit zum nach eigenen Angaben fünftgrößten Anbieter von Kundenbetreuungslösungen im deutschsprachigen Raum. Im kommenden Jahr 2002 strebt CLC einen Umsatz von 50 Mill. Euro und ein positives Betriebsergebnis (EBIT) an.

Durch Aktientausch erworben

CLC zahlt für Camelot umgerechnet rund 75,7 Mill. S (5,5 Mill. Euro). Die Akquisition erfolgte durch Aktientausch. Verkäufer der Camelot-Anteile sind die Gründungsaktionäre des am Frankfurter Neuen Markt notierten Unternehmens. Sie erhalten im Gegenzug rund 15 Prozent an CLC oder 1,160.969 CLC-Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Das Tauschverhältnis liegt bei 1,15 Euro pro Camelot-Aktie zu 4,74 Euro je CLC-Aktie.

Camelot beschäftigt laut CLC rund 500 Mitarbeiter. Erst Mitte des Vormonats hat Camelot nach Überprüfung der vorläufigen Ergebniszahlen die Umsatz- und EBIT-Prognose für 2001 nach unten revidiert. Der Konzern geht jetzt für das Gesamtjahr von einem Gesamtumsatz von 16 bis 17 Mill. Euro statt bisher gut 22 Mill. Euro aus. Dabei rechnet Camelot heuer erstmals in seiner Geschichte mit einem negativen EBIT von 10 bis 11 Mill. Euro.

Zu hohe Overhead-Kosten

Carner sieht den Grund dafür allerdings nicht in der derzeitigen Marktlage, sondern vielmehr in zu hohen Overhead-Kosten und einer Vernachlässigung des Marketings durch die Unternehmensführung. Mit Unterstützung der CLC habe das Management aber bereits massive Restrukturierungsmaßnahmen beschlossen. Durch die Anpassung der Overhead-Kosten an den tatsächlichen Umsatz solle Camelot bereits im kommenden Jahr wieder in die schwarzen Zahlen geführt werden, so Carner.

Nach der Übernahme soll der CLC-Chef nun auch den Vorstandsvorsitz bei Camelot übernehmen, der frühere Camelot-CEO, Thomas Zacharias, soll dafür in den CLC-Vorstand einziehen.

Weiters strebt CLC nun auch einen Beherrschungsvertrag mit Camelot an. Dieser muss allerdings gemäß den Vorgaben des Übernahme-Kodex am Neuen Markt noch von der Camelot-Hauptversammlung abgesegnet werden. Alternativ zum Beherrschungsvertrag werde an ein öffentliches Angebot für die Camelot-Aktionäre gedacht. Vorerst bleibt die Börsennotierung von Camelot am Neuen Markt und von CLC in Wien bestehen. Kurz- bis mittelfristig solle aber das Listing auf eine Börse beschränkt werden, sagte Carner.

Fünf neue Standorte in Deutschland gewonnen

Mit der Übernahme gewinnt CLC fünf neue Standorte in Deutschland. Bisher war das Unternehmen mit ebenso vielen Niederlassungen in Österreich, Tschechien und Polen vertreten. Die Akquisition sei ein wichtiger Schritt hin zur angestrebten Marktführerschaft im deutschsprachigen Raum und Osteuropa. Dieses Ziel wolle man nicht nur durch organisches Wachstum, sondern auch durch Akquisitionen erreichen, so Carner. Die Übernahme von Camelot ist nach der österreichischen DMB Marketing bereits die zweite in diesem Jahr.

Für 22. November hat das Unternehmen nun eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Dabei will sich der Vorstand nicht nur die aktuelle Transaktion bestätigen lassen, sondern auch weiteres "Kapital für weitere Finanzierungsschritte holen". Nach der Ausgabe von neuen Aktien für die Bedienung der Camelot-Hauptaktionäre liegt das Grundkapital der CLC derzeit bei 7,822.603 Euro. (APA)

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