Minia: Ein Heim für den "Ketzer-Pharao"

5. November 2001, 13:53
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In der ägyptischen Stadt ist ein großes Echnaton-Museum geplant

Kairo - Mit deutscher Hilfe soll im ägyptischen Minia Anfang kommenden Jahres mit dem Bau eines großen Museums begonnen werden. Es wird seinen Schwerpunkt auf die Amarnazeit legen, die Epoche des eigenwilligen Pharaos Echnaton (1340-1324 v. Chr), sagte der ehemalige Direktor des Hildesheimer Roemer- und Peilzaeus-Museums, Arne Eggebrecht, am Samstag in Kairo. Die von Hildesheim, der Partnerstadt Minias, finanzierten Baupläne seien vergangene Woche der ägyptischen Antikenverwaltung übergeben worden. Eröffnet werde der 52 Meter hohe Museumsbau, der die Form eines Segels hat, voraussichtlich 2004.

Die mittelägyptische Stadt Minia liegt am Nil zwischen Kairo und Assiut, nicht weit entfernt von der Residenzstadt, die Echnaton in seinem 5. Regierungsjahr bauen ließ. Echnaton, der 10. König der 18. Dynastie, hieß ursprünglich Amenhotep IV.. Er schaffte die zahlreichen Götter des Alten Ägypten ab und ließ als einzigen Gott den Sonnengott Aton zu. Das neue "Aton-Museum" - der endgültige Name steht laut Eggebrecht noch nicht fest - soll unter anderem Reliefs aus der Zeit des "Ketzerpharaos" zeigen. Diese waren nach seinem Tod zerstört worden. Die einzelnen Blöcke, aus denen sie sich zusammen setzen, wurden später für Bauten von Ramses II. verwandt. "Fast 80 000 Blöcke liegen heute in Ägypten verstreut in verschiedenen Magazinen", sagte Eggebrecht.

Die Einwohner von Minia, das Anfang der 90er Jahren als eine der Brutstätten des islamischen Extremismus in Ägypten galt, hoffen nun auf viele Touristen durch das neue Museum. Dieses soll direkt am Nil inmitten eines Palmengartens liegen und eine eigene Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe erhalten. (APA/dpa)

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