Zeitungstarife: "Hart getroffen"

5. November 2001, 16:22
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Kulturblätter sehen Zukunft "düster"

"Eine Katastrophe" für alle Printprodukte nennt Walter Famler, Herausgeber von wespennest, die von der Post geplanten Tariferhöhungen für die Zeitungszustellung. Seine Quartalszeitschrift für Literatur und Essayistik werde an etwa 3000 Abonnenten versandt: "Die neuen Tarife treffen uns hart."

Wie berichtet, plant die Post bis 2003 in zwei Etappen Tariferhöhungen um bis zu rund 300 Prozent (einschließlich der mit 2001 wirksam gewordenen Preiserhöhung von 32,25 Prozent). Für Verlage, die sich zu einer "Mengenbindung" an die Post entschließen, werden die Erhöhungen bis 2006 erstreckt.

Mit bis zu 250.000 Schilling mehr Porto rechnet da Famler: "Horrende Relationen" für eine Zeitschrift, die pro Heft 35.000 Schilling Redaktionsbudget hat. Auf die Leser könne man diese zusätzlichen Kosten nicht abwälzen. Denn mit 160 Schilling für 120 Seiten sei man schon jetzt eine hochpreisige Zeitschrift.

Die Tariferhöhungen sieht Famler als "eine Fahrlässigkeit sondergleichen" - ohne Strategie und Logik werde Flurschaden produziert, ohne dass er erkannt wird. "Da steckt schlicht medienpolitische Dummheit dahinter."

Georg Schöllhammer, Herausgeber der Springerin, rechnet mit 60 Prozent weniger Erlös aus Abonnements. Der Großteil der Leser der Zeitschrift für Gegenwartskunst sei internationales Publikum: "Damit sind wir auf den Postversand angewiesen." Alternativen habe man sich noch keine überlegt. Anders Famler: Er werde versuchen, verstärkt Sponsoren zu gewinnen. Zum Beispiel die Post. Die im Gegenzug für Inserate im wespennest die Gebühren erlassen könnte.

"Düster" sieht die Zukunft Gernot Lauffer, Herausgeber von Sterz. Den Preis für die Grazer Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kulturpolitik bezeichnet er schon jetzt als "Schutzgebühr". Auch er will die erhöhten Posttarife nicht auf die 2000 Abonnenten abwälzen. Lauffer dennoch optimistisch: "Wir bilanzieren nie ausgeglichen, wir überleben immer" - mit viel Nerven, Energie und Flexibilität werde man es auch weiter schaffen. (jed/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. November 2001)

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