Das gute Gewissen beim Geldanlegen

4. November 2001, 18:53
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Wer vermehrt nicht gerne gutes Geld und behält dabei auch noch ein gutes Gewissen?

Monika T. hat ein Problem: Die 35-Jährige will monatlich 2000 Schilling beiseite legen und in einen Fonds investieren. Ihr Hauptanliegen dabei: Die Unternehmen, in die der Fonds investiert, dürfen auf keinen Fall in den Bereichen Atomenergie oder Rüstungsindustrie tätig sein.

Ihr Anlageberater rät ihr zum UBS Eco Performance. Der von der Schweizer Bank UBS begebene Fonds steht für die von Monika T. gemachten Vorgaben: investiert also in Windturbinenhersteller wie die dänische NEG Micon oder Innovatoren wie Capstone oder Ballard Power. Diese Titel aber haben in den vergangenen Wochen ihr Fett abbekommen und rutschten mit dem Börsentross nach dem 11. September in die Tiefe. Vor allem das gleichzeitige Investment in Pharmaunternehmen konnte einen noch gewaltigeren Abrutsch verhindern. Ergebnis: Im dritten Quartal verlor der Eco Performance 27 Prozent, gleichzeitig büßte der MSCI World-Index, der die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte abbildet, "nur" vier Prozent ein.

Seit seinem Hoch im September 2000 erlitt der Schweizer Fonds einen Wertverlust von 47 Prozent, schreibt UBS im letzten Quartalsbericht. Aber der Rutsch nach unten kam nicht allein vom 11. September. In den Monaten August und September verlor der Fonds auch infolge der geschrumpften Erdölpreise. Wenn diese steigen, zeigt der Weg für die erneuerbaren Energieträger nach oben - und umgekehrt. Doch die Schweizer beruhigen: "Langfristig bleiben wir davon überzeugt, dass die Motivation für dieses 'Socially Responsible Investment' intakt bleibt, sei es aus politischen, gesellschaftlichen oder langfristig ökonomischen Gründen."

Bislang scheint ihr Konzept aufgegangen zu sein. In seinen ersten drei Lebensjahren legte der Fonds eine Performance von über 90 Prozent hin. Vor allem das Jahr 2000 ließ die Kurse der Erneuerer in die Höhe schießen.

Keine Garantie

Das Beispiel zeigt: Anlegen und gutes Gewissen lassen sich verbinden, es bürgt aber nicht automatisch für Geldvermehrung. Immer mehr Anleger wollen nichts mit Unternehmen zu tun haben, die ethisch nicht korrekt sind, Umweltschädigung oder Kinderarbeit in Kauf nehmen, um damit Profit zu machen.

Doch was heißt schon ethisch, ökologisch oder nachhaltig? Begriffe, die immer wieder in einem Atemzug genannt werden und oft für mehr Verwirrung als Aufklärung sorgen. Der Ökoinvestmentklub Austria hat einige Kriterien festgehalten: Investieren wolle man nur in Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, was bedeutet: sparsamer Einsatz von Ressourcen, Kreislaufwirtschaft, Personalentwicklung, nachhaltige Entwicklung des Produktes.

Zudem wichtig seien: der Einsatz von erneuerbarer Energie, ökologische Baustoffe, ökologische Verkehrsmittel, Landwirtschaft ohne Chemie, natürliche Lebensmittel, offene Informationspolitik, z. B. mit Ökobilanzierung. Unternehmen, die in der Auto- oder Flugzeugindustrie, Atom- oder Chemiebranche tätig sind, fallen aus dem Anlagenschema des Klubs. Aber auch Firmen, die "den wesentlichen Teil ihrer Geschäfte mit Ländern abwickeln, deren politische Systeme die Menschenrechte unterdrücken".

Wer überprüft nun diese Ausschlusskriterien? Vor allem in Deutschland und der Schweiz haben sich Institute darauf spezialisiert, Unternehmen auf Herz und Nieren in puncto öko, nachhaltig und ethisch zu prüfen. Eines davon ist das Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft (Imug) an der Universität Hannover.

Im Beirat des Institutes sitzt auch Max Deml. Der gebürtige Bayer mit Wohnsitz Wien hat 1997 den Naturaktienindex (NAX) aus der Taufe gehoben. Darin sind 20 Unternehmen gewichtet, die nach strengsten Kriterien geprüft wurden. Darunter auch zwei österreichische Unternehmen: der Kartonriese Mayr Melnhof und der Energieversorger Jenbacher. In den vergangenen Jahren hat der NAX den MSCI-World-Index schon einige Male übertrumpft.(Esther Mitterstieler, Der Standard, Printausgabe, 05.11.2001)

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