Argentinien hat Rückhalt des IWF

4. November 2001, 19:09
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Schuldentausch hilft sparen

Buenos Aires/Washington - Die argentinische Regierung will nun mindestens 15 Mrd. US-Dollar (rund 16,53 Mrd. Euro/227,5 Mrd. S) an Schuldtiteln tauschen und damit die Staatsschulden umstrukturieren. Der enge Mitarbeiter von Wirtschaftsminister Domingo Cavallo, Horacio Liendo, sagte der Zeitung Clarin: "Wenn wir nicht mindestens Anleihen über 15 Milliarden Dollar tauschen, wird der Plan scheitern."

Durch den geplanten Schuldentausch will der mit 132 Mrd. Dollar verschuldete argentinische Staat nächstes Jahr bis zu vier Mrd. Dollar an Zinsleistungen sparen, wie Präsident Fernando de la Rúa angekündigt hatte. Cavallo und de la Rúa hatten am Donnerstag den Plan zur Stabilisierung der Wirtschaft des Landes vorgestellt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien nach der Vorlage neuer Umschuldungspläne seine Unterstützung zugesagt. "Wir begrüßen Argentiniens Bemühungen um die Entwicklung einer stabilen Wachstumsstrategie", sagte IWF-Sprecher David Hawley. Der Währungsfonds sei bereit, dabei mit dem krisengeschüttelten Land zusammenzuarbeiten. Zuvor hatten sich die sieben führenden Industriestaaten (G7) zufrieden über die von Buenos Aires angekündigten Maßnahmen gegen die Staatsverschuldung geäußert.

Unsicherheit lähmt Investoren

Da bisher aber nur wenige Details bekannt wurden, blieben die Investoren verunsichert. An den Finanzmärkten fiel die führende Anleihe auf ein neues Rekordtief, und die Aktienkurse rutschten bis zum Handelsschluss um knapp drei Prozent auf 222,5 Punkte ab. Im Geldhandel schossen die Zinssätze in die Höhe. Die Risikoprämie über US-Papiere stieg für argentinische Anleihen auf 25 Prozentpunkte. "Wir warten alle auf weitere Nachrichten", sagte ein Händler in Buenos Aires. Vor allem stelle sich für die Investoren nun die Frage, ob die von der argentinischen Regierung geplanten neuen Bonds weniger wert seien als die alten. "Die Schlüsselfrage ist jetzt, ob der geplante Tausch eine Reduzierung des Nettowertes der Bonds darstellt", sagte Jürgen Odenius von der Commerzbank.

Milliardenspritze im Sommer

Der IWF hatte Argentinien Ende August eine neue Milliardenspritze in Höhe von acht Mrd. Dollar bewilligt. Die Auszahlung der Hilfskredite knüpfte der Währungsfonds an die Bedingung, dass sich die argentinische Regierung zu einem strikten Sparprogramm mit drastischen Einschnitten im öffentlichen Sektor verpflichtet.

Das südamerikanische Land befindet sich seit mehr als drei Jahren in einer Rezession. Der Schuldenberg entspricht knapp der Hälfte des argentinischen Bruttoinlandsproduktes. De la Rúa schlug einen rigiden Sparkurs ein, gegen den Tausende auf die Straße gingen. Mehrere Generalstreiks legten das Land zeitweise völlig lahm. (Reuters, Der Standard, Printausgabe, 05.11.2001)

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