Rezessionszeichen mehren sich

4. November 2001, 18:58
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Gut vier Millionen Arbeitslose in Deutschland noch vor Weihnachten erwartet

Hamburg/Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) muss nach Ansicht führender Wirtschaftsexperten wegen der schwachen Konjunktur und zunehmender Arbeitslosigkeit bald die Zinsen weiter senken.

Der Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, sagte in einem Spiegel-Interview, er sehe in den Euroländern derzeit keine Inflationsgefahr, "sondern eher eine Rezessionsgefahr". Er sei überzeugt, dass die EZB ihren Spielraum für Zinssenkungen nutzen werde. "Die Krise sollte der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas einen Schub geben", sagte Köhler. In dieser Zeit "extremer Unsicherheit erwartet die Welt mit Recht etwas von Europa". Der EZB-Rat tagt am kommenden Donnerstag. Vorher trifft am Dienstag die US-Notenbank (Fed) zusammen, um über die Zinsentwicklung zu beraten. Sollte die Fed zum dritten Mal nach den Terrorattacken vom 11. September die Zinsen senken, erwarten Experten, dass die EZB folgen wird. Zuletzt hatte sie die Leitzinsen kurz nach den Terroranschlägen zusammen mit der US-Notenbank um 0,5 Prozentpunkte gesenkt.

Wegen der lahmenden Konjunktur erwarten die Chef-Volkswirte mehrerer deutscher Großbanken in den kommenden Wochen einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Deutschland auf mehr als vier Millionen. "Wir müssen uns auf einen sehr harten Winter einstellen, schlimmer, als wir alle dachten", sagte Martin Hüfner von der HypoVereinsbank (HVB) der Bild am Sonntag. Noch in diesem Jahr sei mit über vier Millionen Arbeitslosen zu rechnen. Auch Hüfners Kollegen Klaus Friedrich von der Dresdner Bank und Jürgen Pfister von der Commerzbank rechnen noch vor Weihnachten mit ähnlich hohen Arbeitslosenzahlen. (Reuters, dpa, Der Standard, printausgaeb, 05.11.2001)

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