Banken und Handel wollen mehr Quick-Cash sehen

5. November 2001, 14:02
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Auch fünf Jahre nach der flächendeckenden Installation der elektronischen Geldbörse Quick wird überwiegend mit Bargeld bezahlt

Wien - Gut vier Millionen Österreicherinnen und Österreicher könnten mit der elektronischen Geldbörse Quick bezahlen. So viele Plastikkarten mit aufladbarem Chip sind derzeit im Umlauf. Tatsächlich zücken nur knapp 300.000 ihre Karte, und das nicht regelmäßig.

Ewald Judt, Geschäftsführer von Europay Austria, ist dennoch "überzeugt, dass sich Plastikgeld durchsetzt". Bei der Kreditkarte habe es auch drei bis fünf Jahre gedauert, bis sie akzeptiert war. "So wird es auch bei der elektronischen Geldbörse sein", sagte Judt dem STANDARD.

Insbesondere die Banken und der Handel sind daran interessiert, dass mehr elektronisch bezahlt wird. Sie haben viel Geld in die Automatisierung des Zahlungsverkehrs gesteckt. Experten zufolge rechnet sich das nur, wenn möglichst viele Kunden das System auch nützen.


Münzflut als Triebfeder

Dafür will Europay Austria sorgen - die den Banken gehörende Gesellschaft ist mit der Forcierung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in Österreich betraut. Mit der Euro-Einführung in knapp zwei Monaten sollte die Popularität von Plastikgeld steigen, erwartet Europay-Geschäftsführer Judt. "Es gibt Staaten wie Belgien oder Deutschland, die sind ausgesprochene Münzländer. Andere Staaten, darunter auch Österreich, haben eine Banknotenkultur und werden sich mit der Euro-Münzflut entsprechend schwer tun."

Auch in der Handelskette Spar rechnet man damit, dass die Kunden Euro-bedingt verstärkt auf die Plastikkarte zurückgreifen. "Die größeren und schwereren Euro-Münzen werden die Popularität der Quick-Karte erhöhen", sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Alle 50 Interspar-und die meisten Spar-Geschäfte seien mit Bankomatkassen ausgestattet, die das Bezahlen mit Quick erlaubten. "Der große Renner ist das noch nicht", sagte Berkmann. Die meisten Plastikkartenzahler tippen den PIN-Code ein, nur knapp ein Prozent zahlt Quick.


Laden bis 400 Euro

Auch in den mehr als 1700 Filialen des BML-Konzerns (Billa, Merkur, Mondo, Bipa, Emma) kann an sämtlichen Kassen bargeldlos bezahlt werden. Dort nützt man den in der Karte integrierten Chip auch für individuelle Kundenclubprogramme. Von der elektronischen Geldbörse werde nur selten Gebrauch gemacht, sagte Unternehmenssprecher Alfred Matousek.

"Die Tatsache, dass die Karte vorher geladen werden muss, stellt eine gewisse Hürde dar", sagte Europay-Mann Judt. "Wenn diese Hürde aber einmal genommen ist, macht man es immer wieder, und es wird zur Routine."

Geladen werden kann die Quickkarte österreichweit an den mehr als 2600 Bankomaten und genauso vielen Terminals in diversen Foyers der Banken. Konnte man bisher maximal 1999 S auf die Karte laden, werden es ab 1. Jänner 400 Euro (5504 S) sein. Akzeptiert wird die Karte nach Angaben von Judt von rund 60.000 Partnern. (Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 05.11.2001)

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