Kaprun: 15 Strafanzeigen

5. November 2001, 16:08
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Staatsanwaltschaft soll ab dem Frühjahr über Anklageerhebung entscheiden

Salzburg - Kriminalisten der Salzburger Gendarmerie haben infolge der Brandkatastrophe von Kaprun nun 15 Personen beim Salzburger Landesgericht angezeigt - wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst.

Bei den Angezeigten handelt es sich laut einem Bericht in der jüngsten Ausgabe des Nachrichtenmagazins profil um drei Angestellte der Gletscherbahnen Kaprun AG, der Betreiberin der Unglücksbahn, um zwei Mitarbeiter der Firma Swoboda, von der der brandauslösende Heizlüfter stammte, um zwei Techniker der Firma Rexroth, die die Hydraulik einbaute, um zwei Beamte der Zulassungsbehörde im Verkehrsministerium, zwei Mitarbeiter des TÜV Österreich sowie einen Prüftechniker eines Zivilingeneurbüros.

In den zuletzt durchgeführten Einvernahmen der verdächtigten Personen habe sich herausgestellt, dass der als Brandursache geltende Heizlüfter (siehe Grafik) nicht kontrolliert und dass bei der großen TÜV-Überprüfung im Jahr 1997 die Hydraulik des Unglückszuges ebenfalls nicht überprüft worden sei, berichtet das Magazin weiter. Einen weiteren Ansatzpunkt für die Staatsanwaltschaft, die ab dem kommenden Frühjahr über mögliche Anklageerhebungen entscheiden will, biete die Brandschutztür zwischen dem Tunnel und dem Alpincenter. Diese hatte sich nach dem Unfall nicht geschlossen und so das Eindringen von Giftgasen ermöglicht, was zusätzlich drei Menschen in der Bergstation das Leben kostete. Für den automatischen Türantrieb habe es keine generelle Zulassung gegeben. Bei der Brandkatastrophe im Tunnel der Kapruner Gletscherbahn waren am 11. November des Vorjahres 155 Menschen gestorben.

Der Münchner Anwalt Michael Witti, der die Angehörigen von 14 deutschen Opfern vertritt, bezeichnete die Republik Österreich als Hauptschuldige des Unglücks: "Sie ist nicht nur über eine Tochtergesellschaft die größte Anteilseignerin der Gletscherbahnen AG. Sie trifft auch eine Schuld durch Unterlassung, weil sie keinerlei Brandschutzvorschriften machte." Er rechne pro Opfer mit einer "Entschädigung von rund drei Millionen Mark" - rund 1,5 Millionen Euro oder 21,1 Millionen Schilling. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 5.11.2001)

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