CDU: Südliche Revolte gegen Merkel

5. November 2001, 09:42
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Vorstoß aus Stuttgart gegen Kandidatur

Berlin - Der CDU-Landesverband Baden-Württemberg opponiert offen gegen Parteichefin Angela Merkel. Im Präsidium wurde die Forderung beschlossen, die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union bei der Bundestagswahl in zehn Monaten vorzuziehen. Außerdem wurde laut Medienberichten Ministerpräsident Erwin Teufel vom Präsidium damit beauftragt, Merkel von einer Kanzlerkandidatur abzubringen. Präsidiumsmitglieder wurden mit den Worten zitiert, der ehemalige CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble, aber auch CSU-Chef Edmund Stoiber könnten im Gegensatz zu Merkel "mit der Autorität beider Parteien ins Rennen gehen".

Auf dem CDU-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen kritisierte Merkel diesen Vorstoß: Das Votum der baden-württembergischen CDU "hat mich bedrückt". Auch CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer räumte ein, dass es vor allem in Süddeutschland "Vorbehalte gegen eine Kanzlerkandidatur Merkels" gebe.

Merkel bezeichnete es auch als schädlich, dass immer wieder "kleine Hiebe aus Bayern" kämen. Dies war eine Anspielung darauf, dass von der CSU Schäuble als dritter Bewerber ins Gespräch gebracht wurde. Merkel forderte erneut, die Debatte um die Kanzlerkandidatur zu beenden. Auf der Delegiertenversammlung ihres Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern verlangte sie am Samstag mehr innerparteiliche Disziplin. Kurz danach sprach sich der einflussreiche CDU-Abgeordnete Rupert Scholz für Schäuble als Kanzlerkandidaten aus. (afs, DER STANDARD, Printausgabe 5.11.2001)

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