Belgrad unterstützt Kosovo-Wahl

4. November 2001, 19:29
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Aufruf an die serbische Bevölkerung, sich am Urnengang in der Provinz zu beteiligen

"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sich die Serben an den für den 17. November angesetzten Wahlen im Kosovo beteiligen sollen", erklärte am Wochenende sichtlich müde und schlecht gelaunt Jugoslawiens Präsident Vojislav Kostunica. Mehr als zehn Stunden hatten die Verhandlungen mit Hans Häkkerup, dem Chef der UNO-Zivilverwaltung im Kosovo (Unmik), gedauert. Dieser redete so lange auf Vertreter der serbischen und der jugoslawischen Regierung ein, bis sie "unter dem Druck der Realität" nachgaben.

In Serbien herrscht die Meinung vor, dass Belgrad sich für das "kleinere Übel" entschieden habe. Kostunica, der zu den härtesten Kritikern Häkkerups und der Kosovo-Friedenstruppe Kfor gehört, unterstrich, dass nach zwei Jahren das "erste Abkommen zwischen den jugoslawischen Behörden und der internationalen Administration im Kosovo" unterzeichnet worden sei. Dieses Abkommen sehe vor, dass die aus den Wahlen hervorgehenden "vorübergehenden" Institutionen die Unabhängigkeit der serbischen Provinz nicht ausrufen dürfen. Der Kosovo wird zu 90 Prozent von Albanern bewohnt.

Aufrufe zum Boykott

Trotz der Empfehlung Belgrads, sich an den Wahlen zu beteiligen, wollen einige serbische Parteien die Kosovo-Serben zum Wahlboykott aufrufen. Diese Wahlen seien "der Grundstein eines unabhängigen albanischen Staates", erklärte Milan Ivanovic, Vorsitzender des serbischen Nationalrats für den Nordkosovo. Die im Kosovo lebenden Serben könnten sich nicht frei bewegen, und das zwischen Belgrad und der Unmik unterzeichnete Abkommen würde "weder ihre Sicherheit garantieren noch eine serbische Polizei und Justiz vorsehen". Organisationen der Kosovo-Serben und der Opposition in Serbien kündigten Massenproteste an.

"Die Staatengemeinschaft hat im Kosovo sehr viel unter äußerst schwierigen Bedingungen geleistet", sagte Albert Rohan, Generalsekretär des österreichischen Außenamtes, dieser Tage in Belgrad zum STANDARD. Doch die "unklaren" Kommandostrukturen der Kfor und der "Wettbewerb" verschiedener ziviler Organisationen würden den Friedensprozess aufhalten. Rohan bestätigte die schwierige Lage der Serben im Kosovo, betonte jedoch, dass sie nur durch legal gewählte Institutionen erfolgreich für ihre Rechte kämpfen könnten. (DER STANDARD, Printausgabe 5.11.2001)

STANDARD-Korrespondent Andrej Ivanji aus Belgrad
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