Venedig kämpft weiter gegen Chemiekonzern

4. November 2001, 18:19
posten

Nach jahrzehnterlanger Vergiftung der Lagune waren die verantwortlichen Manager vor Gericht freigesprochen worden

Venedig - Die Stadt Venedig wird gegen den Beschluss eines Gerichts von Mestre, das am Freitag bei einem Prozess um die Verseuchung der Lagune durch die petrochemische Industrie von Porto Marghera 28 Manager des Chemiekonzerns Montedison vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen hatte, Berufung einlegen. Bei dem Prozess geht es um den Tod von 157 Chemiearbeitern, der angeblich auf die von der Industrie produzierten Giftstoffe zurückzuführen ist. Weitere 103 Personen sollen aus demselben Grund erkrankt sein.

"Wir wollen für die Arbeitnehmer weiterkämpfen, die wegen der Giftstoffe des Chemieriesen erkrankt sind" sagte der Vizebürgermeister von Venedig, Gianfranco Bettin. Montedison hat inzwischen erklärt, eine Vereinbarung mit dem italienischen Staat geschlossen zu haben, demzufolge der Chemieriese 525 Milliarden Lire (3,73 Mrd. S) zur Sanierung der Umweltschäden zahlen wird, die in den 70-er und 80-er Jahren in Porto Marghera entstanden sind. Das Abkommen war italienischen Medienberichten vom Sonntag zufolge einige Tage vor Ende des Prozesses unterzeichnet worden, da Montedison eine Verurteilung aller seiner Manager befürchtet hatte.

Proteste

Wegen des Abkommens wird das italienische Umweltministerium auf eine Berufung verzichten. Der Staat hatte ursprünglich eine Rekord-Entschädigung von umgerechnet 500 Milliarden Schilling gefordert. 20 Jahre lang seien Dioxin und andere Giftstoffe in die Lagune geleitet und damit eine Umweltkatastrophe angerichtet worden, hatte ein Vertreter der Regierung die hohe Forderung begründet. Die Staatsanwälte hatten für die Manager des Konzerns Strafen bis zu zwölf Jahre Haft beantragt.

Am Wochenende kam es in Venedig zu Protestkundgebungen gegen den Freispruch der Montedison-Manager in dem seit 1998 laufenden Prozess. Die Natur sei teils irreparabel zerstört, Luft und Wasser seien vergiftet worden, betonten die Demonstranten. Zu ihnen zählten auch mehrere Angehörige der Opfer. Laut Gericht kann keine direkte Verbindung zwischen den Todesfällen und der von Montedison produzierten Giftstoffen nachgewiesen werden. (APA)

Share if you care.