Kontroverse um Feuerwehreinsatz am Ground Zero in New York

4. November 2001, 17:28
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"Die Tapfersten gegen die Besten" - Kameraden der "gefallenen Helden" unter Druck

New York - Die für ihren mutigen und selbstlosen Einsatz im World Trade Center bekannt gewordenen New Yorker Feuerwehrleute, die am Samstag auch in Wien eine Auszeichnung erhielten, haben in der Stadt für eine hitzige Debatte über das richtige Vorgehen am Ort der Katastrophe, jetzt ein Massengrab, gesorgt. Vergangenen Freitag kam es bei einer Demonstration von Feuerwehrleuten zu einer Rangelei, bei der mehrere Polizisten verletzt wurden - wenige hundert Meter von den Trümmern des eingestürzten World Trade Centers entfernt, in dem noch immer 252 Firefighters offiziell als "vermisst" gelten.

Auch 25 New Yorker Polizisten kamen bei dem Terroranschlag am 11. September ums Leben. "Die Tapfersten gegen die Besten", titelte daraufhin die New Yorker "Daily News". Etwa 1.000 Feuerwehrleute hatten sich zu der Demonstration versammelt, als gerade der Konvoi mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zur Besichtigung der Ruinen des WTC vorbeifuhr. Die Stimmung erschien aufgeheizt, wenig später waren dann die Emotionen hochgegangen. Der Protest richtete sich gegen eine Anordnung von Bürgermeister Rudolph Giuliani, der die Präsenz von Feuerwehrleuten bei den Bergungsarbeiten am "Ground Zero" drastisch reduzierte. Statt vorher 64 Feuerwehrleuten werden künftig nur mehr 25 Männer pro Schicht eingesetzt.

Giuliani begründete dies mit den Gefahren für die Sicherheit der Feuerwehrleute. Bisher kam es bereits zu kleineren Unfällen, während in den Trümmern der beiden Zwillingstürme nach menschlichen Überresten gesucht wurde. Auch auf die Gesundheitsgefährdung durch den noch immer aus der Tiefe aufsteigenden Rauch wies der Bürgermeister hin. Einige Feuerwehrleute erlitten trotz Atemschutz asthmatische Beschwerden. Einige Feuerwehrleute warfen dem Bürgermeister aber vor, sich weniger um ihre Gesundheit als um das Tempo der Bergungsarbeiten Sorgen zu machen.

Gold vor Pietät

Bei jedem Fund von Leichenteilen und Ausrüstungsstücken hatten die Feuerwehrleute dem ums Leben gekommenen Kameraden die letzte Ehre erwiesen und sorgfältig darauf geachtet, dass die menschlichen Überreste nicht zusammen mit den Stahl- und Betontrümmern mit Lastwagen wegtransportiert wurden.

So wurde Giuliani nun vorgehalten, er sei nur mehr an schnellen Aufräumungsarbeiten interessiert, um mit dem Ende seiner Amtszeit am 31. Dezember bei der Amtsübergabe auf seine Leistungen hinweisen zu können. Auch kümmere sich die Stadt mehr um den Zustand der unter den Trümmern vergrabenen Gold- und Silberbestände als um die pietätvolle Beisetzung von toten Feuerwehrleuten und anderen Opfern.

Am Samstag wurden die Anzeigen gegen mehrere Feuerwehrleute zwar teilweise entschärft, rund zehn von ihnen müssen sich jedoch Anfang Dezember vor Gericht verantworten. "Niemand steht über dem Gesetz, auch nicht die Feuerwehrleute", erklärte der Bürgermeister. Giuliani zeigte zwar Verständnis für die emotionale Belastung, nahm seine Anordnung aber nicht zurück. Es gebe dort nichts mehr zu bergen, die meisten Körper hätten sich durch den Druck und die Hitze vollständig pulverisiert. Die Feuerwehrleute seien möglicherweise emotional zu sehr betroffen, um die Bergungsarbeiten professionell ausführen zu können.

Die 11.000 Mann starken "Firefighters" hatten bei den Versuch, Menschen aus den einstürzenden Zwillingstürmen zu retten, 343 Mitarbeiter verloren. Ganze Gruppen wurden vollständig ausgelöscht. Auch der Chef der Feuerwehrleute, Peter Ganci, kam dabei ums Leben. Die New Yorker Zeitungen bringen in Sonderbeilagen für die "gefallenen Helden" seitenweise Todesanzeigen und kurze Nachrufe auf die Opfer. Für viele, deren Leichen noch immer nicht gefunden werden konnten, werden jetzt erst Gedenkgottesdienste veranstaltet. (APA)

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