Italien will Museen privatisieren - Heftige Proteste

4. November 2001, 16:50
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Ex-Ministerin Melandri: "Ein Museum ist keine Mastgans"

Rom - Die italienische Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will Museen privatisieren. Nach dem Vorschlag sollen die Museen etwa an private Stiftungen übergehen. Ziel sei es, Kosten zu sparen. Die in Rom erscheinende Zeitung "La Republica" berichtete am Sonntag, ungeachtet heftiger Proteste auch aus dem Ausland halte die Regierung an ihren Plänen fest. Ex-Kulturministerin Giovanna Melandri kritisierte: "Ein Museum ist keine Mastgans, die man an den Meistbietenden verkauft."

Unklar ist zunächst, welche Museen privatisiert werden könnten. Auch der genaue Modus ist noch weitgehend ungeklärt. Nach dem Vorschlag der Regierung müssen die privaten Träger etwa für Personalkosten aufkommen. Auch müssten sie dem Staat für die Gebäude Miete zahlen. Dafür dürften sie die Museen auch für "private Initiativen" nutzen. Die wissenschaftliche Führung solle aber unter Aufsicht des Kulturministeriums bleiben.

Museumsdirektoren aus mehreren europäischen Ländern hätten bereits gegen das Vorhaben protestiert. Italienische Gewerkschaften riefen das Personal zu Streiks auf. Dagegen machte der Staatssekretär im römischen Kulturministerium, Vittorio Sgarbi, klar, dass die Regierung nicht nachgeben wolle: "Das ist die entscheidende Lösung für unser Kulturerbe." Für die Proteste habe er kein Verständnis: Das Kabinett führe lediglich fort, was die vorherige Linksregierung begonnen habe. (APA/dpa)

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