Deutsche Reisebüros fordern Insolvenzversicherung für Airlines

4. November 2001, 14:21
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Finanzielle Sicherheit für Reisende bei Pleite - DRV für EU-weite Pflichtversicherung wie bei Reiseveranstaltern

Leipzig - Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalterverband (DRV) fordert für Fluggesellschaften eine Pflichtversicherung gegen die Folgen einer Insolvenz. "Wenn eine Airline Pleite geht, müssen die Reisenden versichert sein und ihre Kosten zurückerstattet bekommen", sagte DRV-Präsident Klaus Laepple. Angesichts zahlreicher Insolvenzen internationaler Fluggesellschaften in den vergangenen Monaten sei die Politik gefordert. Eine ähnliche Pflichtversicherung habe sich bei Reiseveranstaltern bewährt. "Ich erwarte, dass die Bundesregierung bei der EU und auf internationaler Ebene aktiv wird", sagte Laepple am Rande der DRV-Jahrestagung, die am Wochenende in Leipzig zu Ende ging.

"Wir brauchen mindestens eine EU-weite Verordnung, die ähnlich wie bei den Reiseveranstaltern den Insolvenzschutz auch bei Fluggesellschaften zur Pflicht macht." Laepple verwies auf die jüngsten Pleiten der schweizerischen Swissair, der argentinischen Aerolineas, der belgischen City Bird oder der australischen Ansett. Letztere hatte im September auf einen Schlag die Tickets von 35.000 Passagieren für wertlos erklärt. "Ein Versicherungsschutz für die Tickets gegen eine Insolvenz würde in einem solchen Fall helfen und den Reisenden zumindest die Kosten ersetzen", sagte Laepple. Die Mehrkosten pro Flugticket seien gering.

Der DRV-Chef räumte ein, dass gerade bei großen Fluggesellschaften massive Einwände gegen eine solche Versicherungspflicht bestünden. "Manche sehen dies als Imageschädigung an", sagte Laepple. "Doch ich glaube, auch Gesellschaften wie die Lufthansa sollten noch einmal in Ruhe nachdenken, ob sie letzten Endes ihren Kunden damit nicht noch ein Stück mehr Sicherheit böten, das ein zusätzliches Verkaufsargument wäre."

Im Übrigen führe eine Pflicht zum Insolvenzschutz zu einer Bereinigung in der Branche. "Die Versicherer werden prüfen, ob sie den Insolvenzschutz gewähren. Wenn eine Airline wirtschaftlich sehr gefährdet ist, bekommt sie keine Versicherung", sagte Laepple. Auch bei der Einführung des Insolvenzschutzes für Reiseveranstalter 1994 hätten sich anfangs viele dagegen gewehrt. Danach habe sich gezeigt, dass dies auch ein gutes Instrument ist, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sagte Laepple. "Eine solche Selektion kann auch der Luftfahrtbranche gerade in der jetzigen Situation nur Recht sein." (APA/Reuters)

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