Kostunica: Montenegro-Referendum Umweg für Rekonstruktion Jugoslawiens

4. November 2001, 18:52
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Internationale Gemeinschaft gegen weitere "Desintegration am Balkan"

Belgrad - Das im Frühjahr nächsten Jahres in Montenegro von der Regierung der kleineren jugoslawischen Teilrepublik geplante Unabhängigkeits-Referendum wäre nur ein "Umweg" für die Rekonstruktion des Bundesstaates. Diese Einschätzung äußerte der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica am Samstagabend in einem Interview gegenüber dem staatlichen TV-Sender RTS. Seine Enttäuschung über die gescheiterten Gespräche zwischen Belgrad und Podgorica über die Umbildung der Föderation äußernd, betonte Kostunica zugleich, dass sich vor allem die internationale Gemeinschaft einer weiteren "Desintegration am Balkan" entgegen stelle.

Die Klärung der künftigen Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro wäre auch die Bedingung für die Lösung des Status der nordserbischen Provinz Vojvodina, deren Politiker immer vehementer die Rückgabe der vom ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic abgeschafften Autonomie fordern. Zudem wäre die Lösung der Staatsfrage auch die Voraussetzung für die Regionalisierung und Dezentralisierung Serbiens, führte Kostunica weiter aus.

Gegen Referendum in Serbien

Die neue Bundesverfassung könne erst dann verabschiedet werden, wenn sich die Bürger Montenegros im Rahmen des Referendums für einen gemeinsamen Staat aussprechen würden. Danach könne auch die neue Verfassung Serbiens verabschiedet werden, die eine Regionalisierung der Republik vorsehen würde oder eben die Bildung eines unabhängigen serbischen Staates, wenn sich die Montenegriner für die Unabhängigkeit entscheiden würden.

Auch sprach sich Kostunica gegen ein von einigen Belgrader Politikern gefordertes Referendum in Serbien aus. Nicht nur wären die serbischen Bürger gegen eine Volksabstimmung in dieser Republik, sondern ein Referendum über die Zukunft Jugoslawiens in Serbien könnte auch "etwas provozieren, was nicht die wahre Stimmung der Öffentlichkeit darstellt", sagte Kostunica. (APA)

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