Kaprun-Ermittlungen: 15 Strafanzeigen eingebracht

4. November 2001, 13:50
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Auch Beamte des Verkehrsministeriums betroffen

Salzburg - Nach der Brandkatastrophe von Kaprun hat die Kriminalabteilung der Salzburger Gendarmerie nun auf Grund ihrer Ermittlungsergebnisse beim Salzburger Landesgericht Strafanzeigen wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst gegen 15 Personen eingebracht. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe.

Strafantrag nächstes Jahr

Bei den Angezeigten handelt es sich nach Angaben von "profil" um drei Angestellte der Gletscherbahnen Kaprun AG (Betreiber der Unglücksbahn), zwei Mitarbeiter der Firma Swoboda (Einbau des untauglichen Heizlüfters), zwei Techniker der Firma Rexroth (Montage der Hydraulik), zwei Beamte der Zulassungsbehörde im Verkehrsministerium, zwei Mitarbeiter des TÜV Österreich sowie einen Prüftechniker eines Zivilingeneurbüros. Mit einem Strafantrag durch die Staatsanwaltschaft sei angesichts der Komplexität des Falles nicht vor dem kommenden Frühjahr zu rechnen, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Er selbst habe die Anzeigen noch nicht gesehen, sagte Leiter der Salzburger Staatsanwaltschaft, Friedrich Ginthör, auf Anfrage. Ginthör, der zur Zeit auf Urlaub im Ausland befindet, meinte jedoch, er sei "nicht überrascht" von der Zahl der Strafanzeigen, vielmehr habe er es so erwartet.

Hydraulik nicht überprüft

In den zuletzt durchgeführten Einvernahmen der verdächtigten Personen habe sich herausgestellt, dass der als Brandursache geltende Heizlüfter nicht kontrolliert worden war und dass bei der großen TÜV-Überprüfung im Jahr 1997 die Hydraulik des Unglückszuges ebenfalls nicht überprüft worden war, berichtet "profil" weiter. Einen weiteren Ansatzpunkt für die Staatsanwaltschaft, die nun über die Anklageerhebung zu entscheiden hat, biete die Brandschutztür zwischen dem Tunnel und dem "Alpincenter". Diese hatte sich nach dem Unfall nicht geschlossen und so das Eindringen von Giftgasen ermöglicht, was drei Menschen das Leben kostete. Für den automatischen Türantrieb habe es keine generelle Zulassung gegeben.

Bei der Brandkatastrophe im Tunnel der Kapruner Gletscherbahn waren am 11. November vergangenen Jahres 155 Menschen ums Leben gekommen. (APA)

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