Österreichische Reisegruppe in Mali überfallen

4. November 2001, 13:40
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Zwei einheimische Begleiter erschossen - Österreicher unversehrt

Bamako - Eine 18köpfige österreichische Reisegruppe hat, wie erst jetzt bekannt wurde, am Samstag vor einer Woche (27.10.) einen Überfall im westafrikanischen Staat Mali unverletzt überstanden. Die Gruppe befand sich auf dem Weg von Mopti nach Timbuktu, als sie im unbewohnten Gebiet von mehreren Unbekannten beschossen wurde. Dabei wurden zwei Einheimische - einer der Fahrer und der Reiseführer - getötet. Ein politischer Hintergrund der Tat ist vermutlich auszuschließen.

Die Reisegruppe, die mehrheitlich aus Oberösterreich stammt und zu einem Großteil aus Journalisten bestand, begann am Mittwoch, dem 24.10., ihren von einem oberösterreichischen Reisebüro organisierten Urlaub in dem westafrikanischen Staat. Am Samstag brach sie in vier Geländefahrzeugen von Mopti aus zu einer Fahrt durch die kaum bewohnte Savanne in den Norden des Landes, nach Timbuktu, auf. Von dort wollte sie am nächsten Tag nach Mopti zurückkehren.

Fahrer und der Reiseführer erschossen

Kurz hinter dem Ort Douentza, nach einem Viertel der Wegstrecke, ereignete sich der Überfall auf das letzte Auto der Gruppe, bei dem der Fahrer und der Reiseführer erschossen wurden. Den vier Österreichern wurden Wertsachen und Gepäck geraubt. Die Täter verschwanden vermutlich auf Kamelen. Ein später vorbeikommender Wagen einer internationalen Organisation nahm die Österreicher auf und brachte sie in das Savannenstädtchen Bambara-Maounde, etwa auf halbem Weg nach Timbuktu, wo sie auf den Rest der Gruppe trafen. Im Spital des Ortes befanden sich bereits zwei schwer verletzte Einheimische, die kurz zuvor an einer anderen Stelle der Straße beschossen worden waren.

Die Österreicher nahmen in Bambara-Maunde Kontakt mit dem österreichischen Honorarkonsul in Bamako, Peter Klein, auf, der die Rettungsaktion einleitete. Gegen Abend des Samstag traf in dem Savannenstädtchen zufällig eine weitere österreichische Reisegruppe eines anderen oberösterreichischen Veranstalters, der Trekking-Reisen organisiert, ein. Gemeinsam verbrachten die etwa 30 Österreicher die Nacht im Areal des örtlichen Spitals. Am Nachmittag des Sonntag eskortierte malisches Militär alle Österreicher Richtung Timbuktu. Die Trekking-Gruppe setzte von dort aus ihre Reise fort, die 18 anderen wurden von Konsul Klein in Empfang genommen und mit einer von ihm gecharterten Maschine nach Bamako ausgeflogen.

Alle Touristen wieder zu Hause

Etwa die Hälfte der Gruppe brach die Reise sofort ab und kehrte am Donnerstag nach Österreich zurück, der Rest setzte die Reise in einer abgeänderten Version fort und kam am Sonntag früh in Wien-Schwechat an. Um die Angehörigen in Österreich nicht in Sorge zu versetzen, hatte die Gruppe das Konsulat in Bamako und die Botschaft in Dakar (Senegal) gebeten, vor ihrer Rückkehr nach Österreich keine Informationen über den Zwischenfall an die Öffentlichkeit kommen zu lassen.

Nach dem Friedensschluss zwischen dem Staat Mali und dem aufständischen Nomadenvolk der Tuareg vor wenigen Jahren gilt die Region um Timbuktu als sicher. Der letzte Überfall soll sich vor etwa fünf Jahren im oberen Teil der Strecke Mopti-Timbuktu ereignet haben. Im Gebiet der jüngsten Tat soll noch nie etwas passiert sein. Allerdings ereignen sich Übergriffe angeblich stets in zeitlichen Wellen. Innerhalb von 48 Stunden soll es nach dem Überfall auf die Österreicher mehrere andere in und um Timbuktu gegeben haben. (APA)

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