Verwandter von mutmaßlichem Terrorpilot war Stasi-Mitarbeiter

4. November 2001, 13:03
posten

Großonkel von Ziad Jarrahi unter Decknamen Karsten Berg geführt

Karlsruhe - Bei den Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Terrorpiloten Ziad Jarrahi sind die deutschen Fahnder auf eine Spur zur Stasi gestoßen: Ein Großonkel des Libanesen war von 1985 bis zum Ende der DDR vom Ministerium für Staatssicherheit unter dem Decknamen Karsten Berg als Inoffizieller Mitarbeiter registriert, wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Scheuten, am Wochenende berichtete. Sie bestätigte zugleich einen "Focus"-Bericht über weitere Hausdurchsuchungen in Hamburg.

Am Freitag vergangener Woche seien die Wohnungen jener zwei Männer durchsucht worden, die Anfang Oktober beim illegalen Grenzübertritt von Afghanistan nach Pakistan festgenommen worden seien, sagte die Sprecherin. Die beiden Männer, die noch immer von den pakistanischen Behörden festgehalten werden, stehen im Verdacht, Kontakte zum El-Kaida-Netzwerk des islamistischen Extremisten Osama bin Laden zu haben. Nach "Focus"-Recherchen hatten sie in ihren Reiseunterlagen die Telefonnummer eines verdächtigen Mittelsmannes vermerkt, der mehrfach von Said Bahaji angerufen worden sei. Der weltweit gesuchte Bahaji soll in Hamburg die Anschläge mit vorbereitet und den Terrorpiloten Visa, Tickets und Wohnungen beschafft haben.

Nach "Spiegel"-Informationen war der Großonkel Jarrahis, Assem Omar Jarrahi, 1983 als Pharmazie-Student aus dem Libanon nach Greifswald gekommen. Die Stasi habe ihn dem libyschen Geheimdienst zugeordnet. Auf der Rückseite einer Streiflochkarte der Hauptabteilung XXII (Terrorabwehr) sei handschriftlich notiert, Jarrahi habe Kontakt zu Personen, die im Operativvorgang "Händler" erfasst seien. Unter diesem Codewort hatte die Stasi dem Nachrichtenmagazin zufolge Informationen über die Aktivitäten des palästinensischen Terroristen Abu Nidal gesammelt. Nach der Wende leitete Assem Omar Jarrahi laut "Spiegel" zwei Handelsfirmen für medizin- und pharmazietechnische Geräte in Neubrandenburg und Greifswald. Beide Firmen, die auch im Libyen-Geschäft aktiv gewesen seien, seien mittlerweile aus dem Handelsregister gelöscht.

1996 zog Ziad Jarrahi in die Nähe seines Verwandten nach Greifswald. Ob der Großonkel etwas von den Plänen des mutmaßlichen Terrorpiloten gewusst habe, lasse sich derzeit nicht feststellen, berichtete das Magazin: Zwei Monate vor den Anschlägen in den USA habe er sich im Einwohnermeldeamt Greifswald abgemeldet - in den Libanon. Ziad Jarrahi saß nach Erkenntnissen der Fahnder in der entführten Maschine, die am 11. September über Pennsylvania abgestürzt war. Der 26-Jährige begann 1997 in Hamburg ein Studium des Flugzeugbaus. Er verließ den Ermittlungen zufolge im Juni 2000 Deutschland und besuchte zwei Flugschulen in Florida. (APA/AP)

Share if you care.