Afghanische Opposition bestimmt Kandidaten für Nationalen Rat

4. November 2001, 12:49
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"Vertreter aller Volksgruppen"

Gulbahar - Die afghanische Opposition hat 60 Kandidaten für einen Rat der Nationalen Einheit bestimmt, der nach dem Sturz der radikal-islamischen Taliban-Regierung über die politische Zukunft des Landes entscheiden soll. Es handle sich um Vertreter aller bedeutenden Volksgruppen in Afghanistan, darunter Hasara, Tadschiken, Usbeken und Paschtunen, sagte Said Hussein Anwari, Angehöriger der Hasara, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Der im italienischen Exil lebende frühere afghanische König Mohammad Zahir Shah hatte die Bildung eines insgesamt 120 Mitglieder umfassenden Rates vorgeschlagen.

Über die endgültige Zusammensetzung des Rates sollen Vertreter der Opposition und des früheren Königs in den kommenden Tagen in der Türkei beraten. Ein Sprecher Anwaris sagte, die Opposition habe 15 Paschtunen, 15 Usbeken und Hasara sowie 30 Tadschiken und Vertreter anderer Volksgruppen als Kandidaten bestimmt.

Größte Volksgruppe Paschtunen

Die Hasara sind eine Volksgruppe in der Landesmitte, die zusammen mit Usbeken und Tadschiken im Norden die oppositionelle Vereinigte Front, die Nordallianz, bilden. Die größte Volksgruppe Afghanistans bilden die Paschtunen im Süden. Auch der 86-jährige Sahir Schah ist ein Paschtune. Er war 1973 gestürzt worden und lebt in Rom.

Die Gräben zwischen den einzelnen Volksgruppen sind tief. Insbesondere im Süden des Landes ist die Nordallianz wegen Gräueltaten in der Hauptstadt Kabul in den Jahren 1992 bis 1996 vor der Eroberung durch die Taliban unbeliebt. Die Paschtunen unterstützen seit damals mehrheitlich die Taliban.

Die USA haben vor vier Wochen mit Luftangriffen auf Afghanistan begonnen und fordern von den Taliban die Auslieferung des moslemischen Extremisten Osama bin Laden. Bin Laden wird von den USA für die Anschläge am 11. September verantwortlich gemacht. Dabei sind mehr als 4500 Menschen ums Leben gekommen. (APA/Reuters)

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