Ausschreitungen bei NPD-Demo in Leipzig

4. November 2001, 12:41
3 Postings

Gegendemonstranten mit Wasserwerfern von der Straße vertrieben - PDS kündigt politisches Nachspiel an

Leipzig - Zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegendemonstranten ist es am Samstag bei einem genehmigten NPD-Aufmarsch in Leipzig gekommen. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Schlagstöcke ein, um etwa 400 Autonome von den 1.200 Rechtsextremisten fern zu halten. Aber auch mit Reizgas und Faustschlägen gingen die Polizisten gegen Demonstranten vor. Die Beamten selbst wurden mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Es gab 21 Festnahmen. Zwei Polizisten und 14 Demonstranten wurden verletzt.

Zu Mittag hatten sich zunächst rund 1.000 Demonstranten am Augustusplatz versammelt, um friedlich gegen den Marsch der Rechtsextremisten zum Völkerschlachtdenkmal zu protestieren. Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte in einer kurzen Ansprache, die Gegendemonstranten stünden in Leipzig auf den "Straßen der friedlichen Demonstration, und wir lassen nicht zu, dass die Nazis sie mit ihren Stiefeln beschmutzen."

Reizgas eingesetzt

Als sich der Zug der Rechten dem Platz näherte, stellten sich die Gegendemonstranten mit einem Transparent in den Weg. Die Polizei forderte die Menschen auf, die Straßen für den genehmigten Naziaufmarsch frei zu machen. Daraufhin skandierte die Menge "Keine Gewalt!" und "Wir bleiben hier!" Die Beamten setzten Reizgas ein, um die weiterhin friedlich Protestierenden zurück zu drängen. Zum Teil gingen die Polizisten nach Augenzeugenberichten auch mit Faustschlägen gegen die Gegendemonstranten vor.

Der PDS-Fraktionschef im sächsischen Landtag, Peter Porsch, nannte den Einsatz der Beamten "völlig unangemessen" und kündigte ein politisches Nachspiel im Parlament an. So könne die Polizei gerade auf Leipzigs Straßen nicht agieren, meinte Porsch. Auch der sächsische DGB-Vorsitzende Hanjo Lucassen, der zu den Gegendemonstranten gehörte, zeigte sich empört über das Verhalten der Beamten.

Tiefensee kündigte im Mitteldeutschen Rundfunk weiteren zivilen Widerstand an: "Wir werden, auch wenn neue Demonstrationen kommen, keinen Fußbreit weichen." Er könne nicht nachvollziehen, dass auf den Straßen Leipzigs Parolen wie "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" gerufen werden dürften. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.