New Yorks Feuerwehr- Chef: Kontroverse mit Polizei "unglücklich"

4. November 2001, 16:58
posten

Jay Jonas spricht von "sehr emotionaler Angelegenheit"

Wien - Jay Jonas, einer der Kommandanten der New Yorker Feuerwehr, hat die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der New Yorker Polizei und Feuerwehrleuten als "unglücklich" bezeichnet. Wie Jonas am Samstag in Wien betonte, handle es sich hier um eine "sehr emotionale Angelegenheit". Jeder versuchte "das Richtige zu tun", sowohl die Feuerwehr als auch der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. Jonas nimmt stellvertretend für die New Yorker Feuerwehr am Samstagabend aus den Händen des früheren sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow in der Wiener Hofburg eine Auszeichnung für ihre Leistungen nach den Anschlägen am 11. September im Rahmen des "Welttages des Mannes" entgegen.

Giuliani hatte aus Sicherheitsgründen angeordnet, dass künftig nur mehr 24 Männer pro Schicht in den Trümmern des World Trade Centers nach Leichen suchen dürfen. Die New Yorker Feuerwehrleute protestierten gegen diese Entscheidung, dabei kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen und Verhaftungen. 343 Feuerwehrmänner seien durch den Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen, sagte Jonas.

Zuvor hatte er vor der Presse seine Kollegen als "selbstlose Helden" bezeichnet, die über die "immense Gefahr" Bescheid wussten und trotzdem mit ihren Rettungsversuchen fortfuhren. Jonas war einer von sechs Feuerwehrmännern, die den Einsturz des Nordturms des World Trade Centers überlebten. Er sei mit seinen Kollegen gerade dabei gewesen, eine Frau zu retten, als das Gebäude kollabierte. Er und seine Kollegen hätten sich anschließend selbst aus den Trümmern befreien können. An diesem Tag habe es den "größten Rettungseinsatz in der Geschichte" gegeben, so Jonas. 25.000 Einsatzkräfte seien an Ort und Stelle gewesen.

Jonas berichtete ferner davon, dass viele der Feuerwehrleute Schuldgefühle hätten, weil sie nicht so wie ihre Kollegen in den Trümmern umkamen oder viele andere Menschen nicht retten konnten. Gegenwärtig litten die Feuerwehrmänner an Atemwegsproblemen durch die ungeheure Staubentwicklung. Von den Türmen des World Trade Centers seien nur mehr die Stahlteile vorhanden, alles andere sei durch das Feuer und den Einsturz pulverisiert. Jonas, der die Funktion eines Bataillonskommandanten bei der New Yorker Feuerwehr innehat, hat in seinen 22 Berufsjahren noch nie einen derartigen Einsatz erlebt, wie er betonte.(APA)

Share if you care.