Alkohol der Männerkiller

3. November 2001, 14:54
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Westeuropa: 13 Prozent der Todesfälle in Verbindung mit Alkohol - Leichteres Abgleiten in Missbrauch und Abhängigkeit

Wien - Alkohol als Männerkiller. "Sechs Prozent der Männer werden im Laufe ihres Lebens alkoholabhängig, zusätzlich acht Prozent rutschen in den Missbrauch. Das macht ein Lebensrisiko von 14 Prozent aus. Bei den Frauen sind es hingegen insgesamt 2,5 Prozent." Dies erklärte am Samstag Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Maier von der Psychiatrischen Universitätsklinik in Bonn beim 1. Weltkongress für Männergesundheit in Wien (bis 4. November). Das Trinken ist für das angeblich "starke" Geschlecht eine der größten Gefahren.

Politiker konzentrieren sich oft auf die illegalen Drogen als Bedrohung, doch die Realität sieht anders aus. Maier: "Bei Männern macht die Problematik mit illegalen Drogen nur ein Drittel des Ausmaßes des Alkoholmissbrauchs aus. In Westeuropa sind 12,8 Prozent der Todesfälle bei Männern mit dem Alkohol in Verbindung zu bringen, in Südosteuropa bereits 27,5 Prozent und in Nordosteuropa und Russland gar 32,3 Prozent."

Bei 18- bis 29-jährigen Männern verursacht der regelmäßige Alkoholkonsum eine Steigerung des Sterberisikos auf das 4,3-Fache von abstinenten Männern. Bei den 30- bis 49-Jährigen beträgt dieser Faktor immerhin noch das 2,5-Fache und bei den 50- bis 79-Jährigen das 1,5-fache Sterberisiko.

Männer konsumieren mehr Alkohol

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind eklatant. Maier: "Zwar trinken in unseren Breiten Männer und Frauen etwa gleich häufig Alkohol, doch Männer konsumieren sehr viel mehr. 76 Prozent der Männer und 65 Prozent der Frauen nehmen im Durchschnitt ein Mal wöchentlich Alkohol zu sich. Hier unterscheiden sich die Geschlechter wenig von einander. Doch fünf Prozent der Männer geben an, im Durchschnitt ein Mal pro Woche betrunken zu sein, hingegen nur ein Prozent der Frauen."

Eine mögliche Ursache: Männer "vertragen" mehr Alkohol, ohne schwere Nebenwirkungen zu verspüren. Doch dadurch gleiten sie nur leichter in den chronischen Missbrauch und in die Abhängigkeit ab. Zusätzlich bildet das soziale Umfeld der Männergesellschaft mit "Trinkfestigkeit" als angeblich positive Eigenschaft einen Faktor, der zum regelmäßigen Konsum verführt.

Optimismus bei Aids

Mit großem Interesse wurde bei dem Kongress am Samstag der Vortrag des US-Aidsforschungs-Pioniers Univ.-Prof. Robert Gallo verfolgt. Im Gegensatz zu einer Pressekonferenz am Freitag verriet er immerhin die Basis für seinen neuen Optimismus in Sachen Aids-Impfung: "Die Situation änderte sich 1995 mit der Entdeckung von Co-Rezeptoren neben CD4, die für die Infektion von T-Helferzellen durch HIV notwendig sind. Wir haben damals diese Rezeptoren und die Chemokine (Immunbotenstoffe, Anm.), die dort binden, identifiziert."

Gallo über die weiteren Arbeiten: "Mittlerweile wissen wir, dass HIV zunächst am CD4-Rezeptor bindet und dann eine räumliche Veränderung an dem Co-Rezeptor verursacht. Erst das erlaubt es HI-Viren, in die Zellen einzudringen. Mit Impfstoffen, die Antikörper genau gegen diese Strukturen hervorrufen, können wir im Labor die Infektion von Immunzellen durch jegliche Aids-Viren blockieren." Ob das in der Realität auch klappt, sollte sich in den kommenden fünf Jahren herausstellen. (APA)

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