"Welttag des Mannes": Preisverleihung in Wien

4. November 2001, 09:51
2 Postings

Gorbatschow: Chance für neue Weltordnung nicht genützt

Wien - Nach dem Ende des Kalten Krieges habe die Staatengemeinschaft "zehn Jahre verloren", um eine neue Weltordnung zu schaffen und den ärmeren Ländern zu helfen. Dies erklärte der frühere sowjetische Präsident und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow am Samstag vor der Presse in Wien. Gorbatschow präsentierte die diesjährigen Preisträger am "Welttag des Mannes", darunter der deutsche Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der Tenor Luciano Pavarotti, CNN-Gründer Ted Turner und der Repräsentant der New Yorker Feuerwehr, Jay Jonas. Die Terroranschläge in den USA am 11. September seien ein "Signal für uns alle" für mehr Toleranz zu wirken, sagte Gorbatschow.

Die Prominenten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen hätten durch ihre außergewöhnlichen Leistungen "die Welt verändert" und wirkten als Vorbilder. Millionen Dollar für arme Länder blieben für die Weltlage wirkungslos, wenn sich nicht gleichzeitig die Haltung der Männer ändere. Deshalb sei die Verleihung der Preise "eine sehr gute Initiative". Gorbatschow wird die Auszeichnungen am Abend in der Wiener Hofburg überreichen. Die Gala steht unter dem Motto "Männer gegen Gewalt".

"Terroristen wollen Frieden verhindern"

Wenn es auch keinen direkten Zusammenhang zwischen Terror und Armut gebe, so nützten die Terroristen, "die den Frieden verhindern wollen", dennoch alle gegenwärtigen Probleme wie Armut und ethnische Konflikte für ihre Ziele aus.

Solange diese Probleme nicht gelöst seien, bildeten sie den Nährboden für den Terror. Die reichen Länder hätten ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Hilfe an arme Staaten reservieren sollen, beklagte Gorbatschow. Dies sei jedoch nicht geschehen, beklagte Gorbatschow, der die Funktion des Präsidenten des "Men's World Day" innehat.

Genscher würdigte ebenso wie der britische Unternehmer Richard Branson Gorbatschow als einen Mann, der die Welt verändert und zum Ende des Kalten Krieges wesentlich beigetragen habe. Heute sei eine Zusammenarbeit mit Russland selbstverständlich geworden. Genscher sagte, heute gebe es eine "große Koalition gegen den Terror". Künftig sei eine "große Koalition für eine bessere Welt des Friedens und der Gerechtigkeit" nötig.

Zeilinger, Aldrin und Gallo

Bei der Pressekonferenz anwesend waren ferner der österreichische Physiker Anton Zeilinger, der für die Entdeckung des "Beamens" ausgezeichnet wird, der US-Wissenschaftler Robert Gallo, der das HIV-Virus entdeckte, sowie der zweite Mensch auf dem Mond, Buzz Aldrin, der die Gala moderieren wird, sowie die Gründer des "Welttages des Mannes", der Journalist und Autor Georg Kindel und der Mediziner Univ.-Prof. Siegfried Meryn.

Pavarotti erhält den Preis für sein globales Hilfsprojekt "Pavarotti & Friends", mit dem er seit 1994 Menschen in Not unterstützt. Ein besonderes Anliegen seien ihm die Kinder, die gegen den Krieg erzogen werden müssten, so Pavarotti. Jay Jonas, der stellvertretend für die New Yorker Feuerwehrmänner die Auszeichnung von Gorbatschow entgegennimmt, bezeichnete seine Kollegen als "selbstlose Helden, die von der immensen Gefahr wußten und trotzdem im World Trade Center (WTC) weiterarbeiteten". 343 Feuerwehrmänner starben durch den Anschlag auf das WTC. Jonas selbst befand sich im Nordturm des WTC, als dieser einstürzte. Er war einer von sechs Feuerwehrleuten, die den Einsturz im Gebäude überlebten.

Der "Welttag des Mannes" war von Kindel und Meryn im Vorjahr gegründet worden, um die Rolle und Haltung der Männer in der Gesellschaft zu ändern. Die "schrecklichen Ereignisse" am 11. September machten es nötig, die Haltung der Männer zu ändern, betonte Kindel. Deswegen sei die diesjährige Preisverleihung auch den "Opfern und Helden" in den USA gewidmet. (APA)

Share if you care.