Bin Laden: UNO ist Werkzeug des Verbrechens

3. November 2001, 21:30
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Rundumschlag gegen Vereinte Nationen, Kofi Annan und moderate arabische Länder - Washington: Akt der Verzweiflung

Kairo/Washington - Der Pate des radikalislamischen Terrors, Osama bin Laden, hat in einer von der arabischen TV-Station Al Jazeera gesendeten Video-Botschaft jede Unterstützung für die Politik von US-Präsident George W. Bush als "Verrat am Islam" bezeichnet. "Wer immer hinter Bush steht, hat einen Akt begangen, der eine Absage an den Islam darstellt", sagte Bin Laden. Bush sei ein "Kreuzritter". Der saudiarabische Milliardär bezeichnete die Vereinten Nationen als "Werkzeug des Verbrechens" und UNO-Generalsekretär Kofi Annan als "Kriminellen". Das unschuldige afghanische Volk werde bombardiert und ermordet, ohne dass es irgendwelche Beweise gebe, sagte Bin Laden in dem Video, das die TV-Station in Katar Samstag Abend ausstrahlte.

"Dieser Krieg ist vor allem ein religiöser Krieg", so Bin Laden, der nach US-Angaben für die Terroranschläge in New York und Washington verantwortlich und im Bergland Afghanistans untergetaucht ist. Zwischen Amerika und Israel dürfe kein Unterschied gemacht werden. Alle, die eine Unterscheidung zwischen den USA und Israel machten, seien "Verräter". Die arabischen Führer, die sich auf die Machenschaften der Vereinten Nationen einließen, seien "Heuchler". Denn die Vereinten Nationen seien verantwortlich für den ungerechten Palästina-Teilungsplan von 1947.

"Welt ist geteilt"

Seit den Terroranschlägen vom 11. September sei die Welt zweigeteilt, so Bin Laden weiter. "Sie ist geteilt in die Menschen, die sich über die Angriffe auf den ungerechten Giganten Amerika gefreut haben, und in einen anderen Teil, der diese Angriffe verurteilt hat", meinte er. "80 Prozent der Christen waren traurig über die Schläge gegen Amerika, umgekehrt hat sich die Mehrheit der islamischen Jugendlichen darüber gefreut, weil sie darin eine Reaktion sahen auf die großen Verbrechen Israels und Amerikas in Palästina und anderen Ländern des Islam."

Bin Laden übernahm nicht die Verantwortung für die Terroranschläge von New York und Washington. Auch zu den Milzbrand-Briefen in den USA äußerte er sich nicht. Seit dem Beginn der US-Angriffe auf die "islamische Führung" in Afghanistan sei die Menschheit erneut zweigeteilt. Der eine Teil lehne diese "ungerechten Angriffe" ab, der andere Teil stimme zu.

Ein hoher US-Regierungsbeamter bezeichnete die jüngste Videobotschaft des Extremistenführers als "Akt der Verzweiflung". Der US-Nachrichtensender CNN zitierte Mitarbeiter aus der Umgebung von Präsident Bush mit der Einschätzung, das Bin Ladens undifferenzierte Attacken ein Beweis dafür seien, dass der Terrorchef unter Druck geraten sei. Die verbalen Angriffe seien möglicherweise ein schwerer Fehler. (APA/dpa/Reuters)

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